Montag, 23. August 2004

Post-Privatisierung: Ärger um Telekom-Deal bremst den Teilverkauf an Deutsche

  • Post-Chef Wais: Verkauf nicht vor Ende des Jahres 2006
  • VP-Wirtschaftsflügel ist gegen weitere Privatisierung

Der gescheiterte Verkauf der Telekom Austria an die Swisscom scheint nun auch Auswirkungen auf die Post zu haben. Eine Teilprivatisierung ist von der Regierung geplant. Ein 25-Prozent-Anteil gilt seit Jahren als Kaufobjekt für die staatliche Deutsche Post. Nun rechnet aber Post-Chef Anton Wais nicht mehr mit einem Verkauf in dieser Legislaturperiode - also bis Ende 2006. Führende Wirtschaftsköpfe der ÖVP sprachen sich nun auch gegen die geplante Privatisierung aus.

In den vergangenen Tagen hatte es auch im ÖVP-Wirtschaftsflügel, der sich die Privatisierung der Staatsunternehmen auf die Fahnen geschrieben hat, zusehends kritische Stimmen zu einem Post-Teilverkauf an die Deutschen gegeben. Allen voran VP-Finanzsprecher Günter Stummvoll und der VP-Wirtschaftsberater und Industrielle Claus Raidl. Stummvoll betonte, dass der Staat ein schlechter Unternehmer sei, was sowohl für den deutschen die für den österreichischen Staat gelte. Für Raidl ist nicht ersichtlich, wie der Wert der heimischen Post durch den Einstieg der Deutschen Post erhöht werden könnte. Der Ex-VP-Wirtschaftsminister Johannes Ditz sprach sich vor einigen Tagen ebenfalls gegen einen Verkauf aus. Die Gewerkschaft war ohnehin schon von Anfang an dagegen.

Abwarten bei den Deutschen
Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, wartet man bei den Deutschen nun ab, wie sich die österreichische Politik entscheiden werde. Offensichtlich haben die Nachbarn aus dem Flop rund um den Verkauf der Telekom Austria an die Swisscom gelernt, wo in letzter Sekunde von der österreichischen Politik die Reißleine gezogen wurde. Dabei hatte Finanzminister Karl-Heinz Grasser, so die heimischen Zeitungskommentatoren, den Telekom-Swisscom-Deal selbst erst vor kurzem mit einem Besuch in der Schweiz eingefädelt. Umso überraschter war man dann, als Grasser nach dem Platzen der Verhandlungen das Scheitern "begrüßte".


Post-Chef Wais bilanziert sehr positiv
Die heimische Post ist mit einem Umsatz von 1,53 Mrd. Euro die Nummer Sieben in Europa und hat Töchter in Slowenien, der Slowakei und Kroatien. Am Markt in Bulgarien herrsche Interesse, war früher zu hören. Mit der ungarischen Post gibt es ein Kooperationsabkommen für Direct Mailing. Im ersten Halbjahr 2004 seien die Geschäfte "sehr gut" gelaufen, man liege in allen Bereichen über Plan, wird Wais in der "Presse" zitiert. Für eine weitere Auslandsexpansion sei laut Meinung von Wais jedenfalls kein Partner erforderlich, diese würde man über den Cash Flow finanzieren.

Hindernis Personalkosten - kein Ultimatum der Deutschen
Als größtes Hindernis für eine noch bessere Entwicklung werden von der Post stets die hohen Personalkosten für die umgerechnet 25.400 Vollzeitarbeitskräfte genannt, die mehr als 50 Prozent des Umsatzes ausmachen würden. Dazu käme ein Postgesetz, das dem internationalen Wettbewerb nicht angepasst sei.

Anfang Juni 2004 waren Spekulationen laut geworden, wonach die Deutschen der heimischen Regierung ein Ultimatum für eine Verkaufsentscheidung gesetzt habe, wonach man bei einer nicht fristgerechten Entscheidung Anfang des nächsten Jahres mit einem eigenen Postnetz in Österreich dem heimischen Platzhirschen Konkurrenz machen wolle. Von deutscher Seite wurde dies jedoch dementiert. (apa/red)

23.8.2004 11:17