Samstag, 28. August 2004

Zweifache Olympiasiegerin: 800-m-Star Holmes holt auch Gold über 1.500 Meter

  • El Guerrouj krönte sich zum würdigen Nurmi-Nachfolger
  • US-Sprint-Niederlage in der Staffel, Borzakowski stark

Der Marokkaner Hicham el Guerrouj hat das mit Spannung erwartete Finale über 5.000 m gewonnen und ist damit Doppel-Olympiasieger. Der 29-Jährige fing im Zielsprint den äthiopischen 10.000-m-Champion Kenenisa Bekele in 13:14,39 Minuten um zwei Zehntel ab, dem kenianischen Weltmeister Eliud Kipchoge (+0,71) blieb nur Bronze. El Guerrouj hatte ja über 1.500 m seinen überhaupt ersten Olympiasieg erlaufen. Auch Kelly Holmes wurde zur zweifachen Olympiasiegerin, die Britin gewann nach den 800 auch die 1.500 m.

El Guerrouj wurde von den drei Äthiopiern im Finale bis zur Schlussrunde belauert, schaffte dann aber trotzdem als erster Mensch seit dem legendären Finnen Paavo Nurmi 1924 in Paris das olympische Doppel über 1.500 und 5.000 m. Der 22-jährige Bekele scheiterte hingegen im Bestreben, es seinem Landsmann Miruts Yiftter (1980 in Moskau) mit Gold über 5.000 und 10.000 m gleich zu tun. "Ich widme diesen historischen Sieg allen Marokkanern, den Arabern und der muslimischen Welt", sagte El Guerrouj in einem ersten Statement.

Holmes avancierte mit ihren ersten beiden Titeln wie 1996 die Russin Swetlana Masterkowa zur "Königin der Mittelstrecke". Nach dem 800-m-Sieg gegen Maria Mutola schlug die 34-Jährige auf ihrer etwas besseren Distanz eingangs der Zielgeraden ein für ihre Rivalinnen zu hohes Tempo an. In der Jahresweltbestzeit von 3:57,90 verwies sie die Russin Tatjana Tomaschowa (0,22) und die Rumänin Maria Cioncan (0,49) auf die Plätze. Holmes glücklich: "Ich bin heuer endlich verletzungsfrei geblieben und schau, was passiert ist."

Borzakowski mit Turbo auf der Zielgeraden
Ein sensationelles 800-m-Rennen lieferte der Russe Juri Borzakwoski. Der 23-Jährige war rund 380 Meter am Ende des Feldes gelaufen und auf der Gegen-Geraden mit Respekt-Abstand immer noch nur Fünfter. Doch eingangs der Ziel-Geraden krönte der Co-Favorit seine in bewährter Manier angelegte Aufholjagd und spurtete in 1:44,61 Minuten zu Gold. Der südafrikanische Hallen-Weltmeister Mbulaeni Mulaudzi (+0,16 Sekunden) wurde Zweiter, dem dreifachen dänischen Weltmeister Wilson Kipketer blieb nach Silber 2000 nur Bronze (0,20).

Briten schlägt US-Staffel
In der Sprint-Staffel der Männer distanzierten die Briten Jason Gardener, Darren Campbell, Marlon Devonish und Mark Lewis-Francis die US-Favoriten sensationell in 38,07 um 1/100. Bei der US-Truppe hatte wie am Vortag bei der Disqualifikation des Damen-Teams der zweite Wechsel nicht geklappt, Coby Miller bekam das von Justin Gatlin gereichte Holz zu spät zu greifen. Schlussläufer Maurice Greene konnte ein Da Capo der Niederlage 1996 gegen Kanada nicht verhindern. Bronze holte das nigerianische Quartett in 38,23.

In den 4x400-m-Staffeln hielten sich die US-Teams dafür schadlos. Bei den Damen siegten DeeDee Trotter, Monique Henderson, Sanya Richards und Monique Hennagan in 3:19,01 vor den Russinnen (1,15) und Jamaica (2,99). Jeremy Wariner holte als dritter Läufer des US-Männer-Quartetts sein zweites Gold nach dem 400-m-Einzeltitel. Gemeinsam mit Otis Harris, Derrick Grew und Darold Williamson siegte er in 2:55,91 vor Australien in 3:00,60 und Nigeria in 3:00,90.

Das Hochsprung-Duell der Südafrikanerin Hestrie Cloete mit den Russinnen entschied doch überraschend Jelena Slesarenko zu Gunsten der Ost-Springerinnen. Mit 2,06 m kam die 22-Jährige vier Zentimeter höher als die zweifache Weltmeisterin, der wie in Sydney nur Silber blieb. Slesarenko übersprang alle ihre Höhen im ersten Versuch, ihre Landsfrau Anna Tschitscherowa wurde nur Sechste. Bronze ging ebenfalls mit 2,02 m an die Ukrainerin Wiktoria Styopina.

Kein viertes Gold für Zelezny
Im Speerwurf der Männer schaffte es der Tscheche Jan Zelezny wie erwartet nicht, sein viertes Olympia-Gold in Folge zu holen. Der 38-Jährige wurde mit 80,59 m nur Neunter. Den Titel holte sensationell der Norweger Andreas Thorkildsen, der Skandinavier siegte mit 86,50 m klar. Der Lette Vadims Vasilevskis (84,95 m) sicherte sich vor dem russischen Weltmeister Sergej Makarow (84,84) Silber. (apa/red)

28.8.2004 20:15

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