Freitag, 27. August 2004

Peinlicher Zwischenfall der US-Damen bei 4x100m: Jones verhaut Staffelübergabe

  • Damit bleibt Marion Jones in Athen ohne Medaille
  • Chinese Liu Xiang holte Hürden-Gold in Weltrekordzeit

Die dreimalige Olympiasiegerin Marion Jones war in Athen ein Leichtathletik-Star ohne Glanz und Glück. Nachdem sie im Weitsprung über Rang fünf nicht hinaus gekommen war, verpatzte ausgerechnet die unter Doping-Verdacht stehende 28-jährige Kalifornierin am Freitagabend den sicher geglaubten Triumph der amerikanischen 4x100-m-Staffel. Bei der Übergabe des Staffel-Stabes konnte Laury Williams nicht zupacken und überschritt die Wechselmarke.

"Ich konnte ihre Hand nicht erreichen. Es waren sehr harte Olympische Spiele für mich", sagte Jones in Tränen aufgelöst. Dem gestrauchelten Star wurden aber von ihren Kameradinnen keine Vorwürfe gemacht. "Sie ist zwar von vielen verurteilt worden, aber das US-Team ist für sie da", sagte La Tasha Colander. Während das US-Quartett disqualifiziert wurde, gewann Jamaika in der Jahresweltbestzeit von 41,73 Sekunden das erste olympische Staffel-Gold.

In dem nur eine Stunde zuvor zu Ende gegangenen Weitsprung lief es für die Olympia-Dritte von vor vier Jahren, die als Vierte der Weltrangliste mit einer Vorleistung von 7,11 m in den Wettbewerb gegangen, nicht viel besser. Einen Sprung von 6,85 m im zweiten Versuch konnte sie danach nicht mehr übertreffen und landete auf Platz fünf. Gold, Silber, Bronze holten die drei Russinnen Tatjana Lebedewa (7,07 m), Irina Simagina (7,05) und Tatjana Kotowa (7,05).

Jones trotz Dopingverdacht am Start
Der Athen-Start von Marion Jones trug den Stempel "unter Vorbehalt". Denn auch die fünffache Medaillengewinnerin von Sydney war im Zuge der Affäre um die kalifornischen Balco-Laboratorien und das Designersteroid THG unter Verdacht geraten, zumal sie ihr Ex-Mann C.J. Hunter belastet hatte. Allerdings wurde Jones, die alle Verdächtigungen zurückweist, nie positiv getestet. Dagegen ist ihr Lebenspartner, der Weltrekordler Tim Montgomery, von den US-Behörden bereits angeklagt worden, verbotene Substanzen von Balco bezogen zu haben.

Während Montgomery in Athen nicht dabei ist, konnte sich Marion Jones trotz des Doping-Wirbels und einer Babypause zumindest für den Weitsprung und die Sprint-Staffel qualifizieren. Dagegen scheiterte sie bei den US-Trials über 100 und 200 m. "Ich habe so viele Tage nur zuschauen müssen, deshalb ist es nun ein gutes Gefühl wieder im Stadion zu sein", hatte Jones vor ihrem missglückten Doppelstart gesagt.

Auf keine Gegenliebe stieß ihre Nominierung für das Sprint-Quartett beim ehemaligen 400-m-Weltrekordler Michael Johnson. "Tut das nicht. Das Risiko ist zu groß", hatte ihr Landsmann gewarnt. Er weiß, wovon er spricht. Da sein Staffel-Kamerad von Sydney, Kevin Young, vor vier Jahren gedopt an Olympia teilnahm, droht die Aberkennung des über 4 x 400 m gewonnenen Goldes.

Chinese Liu Xiang holte Hürden-Gold
Der Chinese Liu Xiang hat den elf Jahre alten Weltrekord über 110 m Hürden in 12,91 Sekunden eingestellt und sich überlegen den Olympiasieg erkämpft. Der 21-Jährige setzte sich vor dem Amerikaner Terrence Trammell (13,18) sowie dem Kubaner Anier Garcia (13,20) durch und holte als erster Chinese bei Olympia eine Leichtathletik-Goldmedaille. Der Brite Colin Jackson war am 20. August 1993 bei der WM in Stuttgart erstmals 12,91 gelaufen.

Korzeniowski zum dritten Mal Olympiasieger über 50 km Gehen
Robert Korzeniowski ist im wahrsten Sinne des Wortes in die Olympia-Geschichte eingegangen. Der Pole wurde zum dritten Mal in Serie Olympiasieger im 50 km Gehen. Der 36-Jährige bestätigte einmal mehr seine Ausnahmestellung und siegte in 3:38:46 Stunden überlegen vor dem völlig erschöpften Weltrekordler Denis Nischegorodow, der nach dem Ziel zusammenbrach, sowie dessen russischen Landsmann Alexej Wojewodin.

In Summe war es für Korzeniowski sogar bereits das vierte Olympia-Gold, denn vor vier Jahren in Sydney hatte er auch über 20 km triumphiert.
(apa/red)

27.8.2004 21:06

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