Aufstieg zur Legende: El Guerrouj will
in Athen zum zweiten "Nurmi" werden
- Äthiopiens Weltrekordler Bekele auf den Spuren Yifters
- Tscheche Zelezny peilt viertes Speer-Gold en suite an
Insgesamt neun Leichtathletik-Entscheidungen stehen am Finalwochenende der 28. Olympischen Sommerspiele in Athen auf dem Programm, der absolute Höhepunkt ist dabei das Männer-Finale über 5.000 m heute Abend(ab 20:05 Uhr). In diesem kommt es zum Gigantenduell zwischen Marokkos Mittelstreckenkönig Hicham El Guerrouj und Äthiopiens Ausnahmeläufer Kenenisa Bekele, die beide historische Doubles in Griechenland anpeilen.
El Guerrouj will als erster Mensch seit dem legendären Finnen Paavo Nurmi 1924 in Paris das olympische Doppel über 1.500 und 5.000 m schaffen. Der 22-jährige Bekele möchte es dagegen seinem Landsmann Miruts Yifter gleichtun, der 1980 bei den Boykottspielen in Moskau Olympiagold über 5.000 und 10.000 m holte.
Doch der lachende Dritte im Bunde könnte wieder Eliud Kipchoge sein. Der erst 19-jährige Kenianer will wie schon im Vorjahr bei der WM in St. Denis die Sensation schaffen und den beiden Topfavoriten erneut die Fersen zeigen. Im Pariser Vorort hatte er sich 4/100 Sekunden vor El Guerrouj durchgesetzt, auf dem Bronzerang folgte Bekele, dem auch nur 33/100 auf WM-Gold fehlten.
Eines steht aber schon vor dem Finale fest, der Ostafrika-Express der Äthiopier und Kenianer, die wie die Marokkaner alle drei Teilnehmer in den Endlauf der besten 15 gebracht haben, werden von Beginn weg an der Spitze ein Höllentempo anschlagen, um "König Hicham" müde zu machen. Man darf aber gespannt sein, welche Kontertaktik sich Marokkos Team für dieses "Dreiländer-Match" ausgedacht hat.
"Ich erwarte ein besseres Resultat als in Paris und bin zuversichtlich, dass mir das auch gelingt", lautet die lapidare Zielsetzung von Bekele, der über 10.000 m in Athen souverän triumphierte, nachdem er heuer schon innerhalb von nur neun Tagen die Weltrekorde über 5.000 (12:37,35 Minuten/31.5.2004 Hengelo) und 10.000 m (26:20,31/8.6.2004 Ostrau) seines legendären Landsmannes Haile Gebrselassie ausgelöscht hatte.
Einlauf in die Geschichtsbücher
Sein Vorbild Yifter ist jedenfalls überzeugt, dass der dreifache Cross-Double-WM-Gewinner - von 2002 bis 2004 holte er jeweils die Titel über die Kurz- und Langstrecke - ein weiteres Mal in die Geschichtsbücher laufen wird. "Kenenisa gewinnt auch über 5.000 m", lautet die Prognose des 64-Jährigen.
Geht es nach der Tempohärte, dann sind Bekele und El Guerrouj beide super in Schuss, wie ihre ersten Olympiasiege in Griechenland bewiesen haben. Der Äthiopier lief die letzte der insgesamt 25 Runden in 53 Sekunden, und der vierfache 1.500-m-Weltmeister aus Marokko benötigte für die abschließenden 400 m überhaupt nur 51 Sekunden! Mit diesem unglaublichen Finish wehrte er den Schlussangriff des Kenianers Bernard Lagat noch ab.
Neben den beiden Afrikanern geht auch Kelly Holmes auf ein Double los. Nach ihrem sensationellen Olympia-Triumph über 800 m will die Britin über 1.500 m ein weiteres Mal ganz vorne landen. Ein solches Mittelstreckendoppel ist letztmals der Russin Swetlana Masterkowa 1996 in Atlanta gelungen.
Der Tscheche Jan Zelezny könnte wiederum mit dem vierten Speerwurf-Olympia-Sieg in Serie Geschichte schreiben, lag aber in der Jahresweltbestenliste vor dem Finale mit 86,12 m nur auf Platz acht. In den Staffel-Entscheidungen werden dagegen Erfolge der US-Quartette erwartet, die bei Männern und Frauen als haushohe Favoriten über 4 x 100 und 4 x 400 m in die Finali starten. (apa/red)
