Dienstag, 24. August 2004

Fall um ungarischen Diskus-Olympiasieger Fazekas weitet sich zum Doping-Krimi aus

  • Ungar wehrt sich vor CAS gegen Sieg-Aberkennung
  • Athlet wird von Rivalen der Manipulation bezichtigt

Der Skandal um den gestürzten Diskus-Olympiasieger Robert Fazekas weitet sich zu einem brisanten Doping-Krimi aus. Seine Konkurrenz bezichtigt ihn des systematischen Betrugs. Fazekas bestreitet dies und hat deshalb den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) angerufen, um seine Goldmedaille wieder zurückzubekommen.

Fazekas deutscher Rivale, der fünffache Weltmeister Lars Riedel, wirft dem Ungarn systematischen Sportbetrug vor. "Ich habe im letzten Jahr gezeigt bekommen, wie er Doping-Kontrollen manipuliert", erklärte der deutsche "Herkules" bei einer Pressekonferenz in der Olympia-Stadt. Für allfällige Kontrollen soll Fazekas in Plastiktaschen sauberen Urin mitgetragen haben. Riedel hatte den Deutschen Leichtathletik-Verband informiert, und dieser wiederum leitete die Information an den Weltverband (IAAF) weiter.

Riedel hatte am 19. Juli 2003 beim Meeting in Cuxhaven von einem ungarischen Werfer sogar eine Skizze erhalten, auf der dargestellt worden war, mit welcher Technik Fazekas Doping-Tests manipuliere, indem er Fremdurin statt seines eigenen Harns abgibt. "Auf dem Zettel war eine lange Röhre mit Schaft zu sehen, eine Art Katheder", erzählte der Olympiasieger von 1996.

Inzwischen hat Fazekas aber angekündigt, gegen seinen Olympia- Ausschluss beim Sportgerichtshof Berufung einzulegen. Er macht eine "schwere psychische Blockade" geltend, die es ihm verunmögliche, in Anwesenheit von fremden Personen Urin abzuliefern: "Ich bin sehr religiös. Deshalb kann ich nicht urinieren, wenn ich beobachtet werde. Betrogen habe ich bestimmt nicht."

Gemäß Communique des Internationalen Olympischen Komitees hat er nur 25 Milliliter Urin abgeliefert. Verlangt werden 75 Milliliter. Danach habe sich Fazekas, der inzwischen schon mit dem Auto bereits in Richtung seiner Heimatstadt Szombathely (Steinamanger) aufgebrochen ist, regelwidrig von der Kontrolle entfernt.

Fazekas erschien um 22:15 Uhr zur Kontrolle, betrat um 22:52 Uhr den dafür vorgesehenen Raum und verließ ihn um 01:15 wieder. Nachdem man ihm vergeblich vorgeschlagen habe, die Kontrolle in der Polyklinik des olympischen Dorfes vorzunehmen, habe er sich um 02:41 Uhr definitiv verabschiedet. Das wurde, wie die IOC-Sprecherin Giselle Davies mitteilte, als "vollständige Verweigerung" gewertet. Gemäß offizieller IOC-Mitteilung ist von Manipulation nicht die Rede.
(apa/red)

24.8.2004 15:46

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