"Das dicke Ende kommt noch": Für Griechen ist Olympia nicht vorbei
- Steuerzahler werden noch lange an die Spiele in Athen denken
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Mit dem Erlöschen des Olympischen Feuers am Sonntagabend waren die 28. Sommerspiele für Griechenland noch nicht vorbei. Das Land sitzt nicht nur auf einem riesigen Schuldenberg, sondern auch auf einem Erbe von Sporthallen und Stadien, mit denen es nichts so recht anzufangen weiß. "Das dicke Ende kommt erst noch", prophezeit die Zeitung "To Vima".
Zum Ende der Spiele gab es für die Griechen zunächst einmal Lob und Schulterklopfen. Die Organisation funktionierte perfekt, die Wettkampfstätten erwiesen sich als tadellos, und selbst das allseits befürchtete Verkehrschaos blieb aus. Über all die Anerkennung konnten sich die Hellenen jedoch nur bedingt freuen. Sie wissen, dass die Regierung dem Land nun einen eisernen Sparkurs auferlegen wird. Experten erwarten, dass die Griechen noch mindestens zehn Jahre an der Last der Olympia-Kosten zu kiefeln haben.
4,6 Milliarden Euro waren offiziell veranschlagt worden. Kurz vor der Eröffnung ließ die Athener Regierung durchsickern, dass die Rechnung wohl auf sieben Milliarden Euro gestiegen sei, hielt sich offiziell aber zurück, um dem heimischen Publikum nicht schon während der Spiele die Laune zu verderben. Mittlerweile ist gar von zehn bis zwölf Milliarden Euro Gesamtkosten die Rede. Das wären stolze 5,7 Prozent des griechischen Bruttosozialprodukts.
Die Stunde der Wahrheit schlägt, wenn Ministerpräsident Kostas Karamanlis am 10. September seine traditionelle Haushaltsrede hält. "Auf die Olympia-Kämpfe folgen nun die politischen Kämpfe", schreibt die Zeitung "Kathimerini". Und "Ta Nea" befürchtet: "Wenn die Olympia-Flamme erlischt, ist Feuer unterm Dach." Allerdings hat das wirtschaftliche Olympia-Erbe auch eine positive Seite: Die Spiele trugen dazu bei, dass Griechenland in diesem Jahr mit etwa vier Prozent eine der höchsten Wachstumsraten in der EU haben wird.
Die Sicherheit schlug bei den Kosten mit dem Rekordwert von einer Milliarde Euro zu Buche, das ist eine Summe die über den Gesamtkosten der Münchner Spiele 1972 liegt! Vor allem die US-Amerikaner hatten mit Hinweis auf mögliche Terroranschläge dafür gesorgt, dass das Paket der Sicherheitsmaßnahmen immer umfangreicher wurde. US-Außenminister Colin Powell lobte dann auch das Sicherheitskonzept der Griechen: "Sie haben sichere und fantastische Olympische Spiele organisiert", schrieb er seinem griechischen Amtskollegen Petros Molyviatis, sagte dann aber einen Besuch in Athen ab - angeblich aus Zeitgründen und nicht wegen der geplanten Proteste und Demonstrationen der Globalisierungsgegner.
Griechenland ließ für die Spiele 70.000 Soldaten und Polizisten aufmarschieren. AWACS-Flugzeuge der NATO überwachten den Luftraum, Boden-Luft-Geschütze wurden in Stellung gebracht und Tausende von Überwachungskameras installiert. Damit setzte Athen neue Maßstäbe für sportliche Großveranstaltungen der Zukunft. (apa)
