Freitag, 27. August 2004

Aufschlag New York: Roddick will bei den US Open sein Premierenstück wiederholen

  • Federer als großer Favorit, Abschied von Agassi?
  • Davenport spekuliert trotz Top-Form mit Karriereende

Ein Jahr nach seinem Durchbruch auf Grand-Slam-Ebene beginnt Andy Roddick am Montag in New York das Unternehmen US-Open-Titelverteidigung. Der 21-jährige US-Star hat vor einem Jahr wie in einem perfekt inszenierten Stück das Zepter von Pete Sampras übernommen: Der US-Open-Champion 2002 hatte zu Beginn des Grand-Slam-Turniers seine einzigartige Karriere beendet, Roddick daraufhin mit dem ersten Major-Titel seiner Laufbahn ein neues Zeitalter eingeläutet. Beim Bestreben, diesen Titel zu verteidigen, steht ihm vor allem Topfavorit Roger Federer im Wege.

Zumindest am Eröffnungstag des mit insgesamt 17,75 Mio. Dollar dotierten Turniers hat Roddick schon Grund zum Feiern, denn der Weltranglisten-Zweite wird 22 Jahre alt. Und auch sein Eröffnungsmatch wird ihm keine Probleme bereiten, sein US-Landsmann Scoville Jenkins dient ihm wohl nur als besserer Trainingspartner. Hingegen hat Federer mit Albert Costa ein schwieriges Auftaktlos, der Spanier ist einer der wenigen Spieler, gegen die der Schweizer kein positives Head-to-Head (2:2) hat.

Zwar hat Federer neben Triumphen bei den Australian Open sowie in Wimbledon auch sein Spiel weiter perfektioniert, doch zuletzt bekam er auch Dämpfer: In Cincinnati beendete Dominik Hrbaty seine 23:0-Siegesserie und in Athen musste der Eidgenosse schon in Runde zwei gegen Tomas Berdych seine Olympia-Goldhoffnungen begraben. Was im Vergleich der zwei heißesten Sieganwärter auch für Roddick spricht, ist Federers schlechte US-Open-Bilanz: Federer kam in Flushing Meadows noch nie über das Achtelfinale hinaus. Eine Negativ-Serie, die heuer im Falle eines gelungenen Auftakts reißen sollte.

Schaffen es beide Topstars bis ins Endspiel, dann ist ohnehin Federer zu favorisieren. Kein Wunder bei einer 7:1-Bilanz im Head-to-Head für den Schweizer. Unter den vielen Herausforderern ist Andre Agassi, der möglicherweise zum letzten Mal bei den US Open antritt und vielleicht den letzten Anlauf zu seinem neunten Major-Triumph nimmt. Für ihn wäre es wohl ein Traum, seine Karriere in ähnlichem Stil wie Sampras zu beenden. Agassi ist vor zwei Jahren im US-Open-Finale Sampras unterlegen, danach stellte sich heraus, dass es Sampras' letztes Match war.

Auf der Rechnung sollte man neben dem zweifachen Olympiasieger Nicolas Massu, den Argentiniern David Nalbandian und French-Open-Sieger Gaston Gaudio auch Lleyton Hewitt, und natürlich Vorjahrsfinalist Juan Carlos Ferrero haben. Letzterer ist ja ein möglicher Zweitrunden-Gegner von Stefan Koubek. "Ich bin motiviert und zuversichtlich für die US Open. Man darf sich über das Los auch nicht beschweren: Es hätte viel schlimmer kommen können als Bogomolov", sagte Koubek nach seinem Aus in Commack.

Revanche gegen Spadea wartet
Österreichs Nummer zwei trainiert ab Samstag in New York, die Nummer eins, Jürgen Melzer, stand am Freitag auf Long Island noch im Viertelfinal-Einsatz gegen Dmitrij Tursunow. Sein Erstrundengegner ist Gregory Carraz (FRA), im Fall eines Sieges winkt ein Duell mit seinem Olympia-Bezwinger Vince Spadea (USA-23).

Bei den Damen ist Barbara Schett - vorbehaltlich der Ergebnisse der Qualifikation - einzige ÖTV-Vertreterin. Sie trifft auf eine Qualifikantin und im Fall eines Sieges voraussichtlich auf die French-Open-Siegerin Anastasia Myskina. Die Russin ist als Nummer vier des Turniers auch eine der Favoritinnen auf den mit zumindest einer Million Dollar bezifferten Siegerscheck (exklusive Bonuszahlungen aus voran gegangener US-Open-Series). Ganz oben auf der Liste steht nicht nur numerisch die nach ihrer Verletzungspause wieder erstarkte, frisch gebackene Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Justine Henin-Hardenne.

Auch mit Lindsay Davenport, zuletzt Siegerin von drei Turnieren en suite, muss man rechnen. Ihr kommt eine ähnliche Rolle wie Agassi bei den Herren zu. Sie liebäugelt ja schon seit einiger Zeit mit ihrem Karriereende. Im Favoritenkreis sind aber auch Amelie Mauresmo, Serena Williams oder auch Wimbledonsiegerin Maria Scharapowa zu erwähnen. Das Damenfeld ist offen wie lange nicht. (apa/red)

27.8.2004 10:14