Samstag, 28. August 2004

Wieder Geiselnahme im Irak: Zwei Franzosen von Extremisten entführt

  • Extremisten wollen die Aufhebung des Kopftuchverbots
  • Paris fordert die Freilassung der zwei Journalisten

Zwei seit dem 20. August im Irak vermisste französische Journalisten sind nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera entführt worden. Die Entführer verlangten eine Aufhebung des Kopftuchverbots an französischen Schulen, meldete der Sender am Samstag. Die Kidnapper, die sich "Islamische Armee Iraks" nennen sollen, forderten die Regierung in Paris auf, innerhalb von 48 Stunden zu reagieren.

Die wichtigste Oraganisation der sunnitischen Religionsgelehrten forderte die Entführer inzwischen auf, die beiden Franzosen freizulassen.

Der französische Fernsehsender LCI berichtete aus Bagdad, bei den Entführten handle es sich um Georges Malbrunot, Sonderkorrespondent der Zeitung "Le Figaro", und Christian Chesnot, Mitarbeiter von Radio France Internationale (RFI). Die beiden Journalisten waren am Freitag vergangener Woche auf dem Weg von Bagdad nach Najaf verschwunden. Die Kidnapper drohten, die beiden Franzosen zu töten, hieß es weiter.

Paris fordert die sofortige Freilassung
Die Regierung in Paris hat nach der Entführung zweier französischer Journalisten im Irak die Freilassung der beiden Korrespondenten gefordert. Innenminister Dominique de Villepin richtete dazu am Sonntag in Paris einen Appell an "alle, die für die Entführung von Georges Malbrunot, Sonderkorrespondent der Zeitung "Le Figaro", und Christian Chesnot, Mitarbeiter von Radio France Internationale (RFI), verantwortlich sind".

Sprecher aller Parteien und der moslemischen Gemeinde in Frankreich verurteilten die Entführung. Premierminister Jean-Pierre Raffarin rief am Sonntag mehrere Minister zu einer mehrstündigen Krisensitzung zusammen. Er sollte am Nachmittag auch mit Präsident Jacques Chirac beraten. Die französische Botschaft in Bagdad und die Behörden in Frankreich seien eingeschaltet, bestätigte ein Sprecher des Außenministeriums. Die beiden Journalisten waren vor einer Woche auf dem Weg in die belagerte Stadt Najaf verschwunden.

Das zunächst umstrittene Kopftuchverbot war im März mit überwältigender Mehrheit von der Nationalversammlung verabschiedet worden. In Paris und in mehreren arabischen Ländern kam es zu Demonstrationen gegen das Verbot, das als Diskriminierung der Moslems betrachtet wurde. (apa)

28.8.2004 21:14