Samstag, 28. August 2004

Russland-Abstürze von zwei Frauen verursacht? Verdächtige Leichen gefunden

  • Alle Toten bis auf zwei Tschetscheninnen identifiziert
  • 27-Jährige hatte "ein eindeutiges Motiv zum Sterben"

Ermittler haben auch am Wrack der zweiten Tupolew-Maschine, die am Dienstagabend in Russland abgestürzt war, Sprengstoffspuren entdeckt. Das berichtete die Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Samstag. Am Freitag hatte der Geheimdienst bereits den Absturz der anderen Tupolew als "Terrorakt" bezeichnet.

Das Flugzeug wurde demnach mit der gleichen Chemikalie gesprengt wie die Maschine, die in der Nähe von Rostow am Don abgestürzt war. Die Spur der Ermittler führte Medienberichten zufolge nach Tschetschenien, nachdem unter den Wrackteilen die Leichenteile zweier verdächtiger Frauen gefunden wurden.

Genauere Untersuchungen von Wrackteilen der Tupolew 134 hätten "Spuren von Hexogen" gezeigt, sagte der FSB-Sprecher ITAR-TASS. Bei dem Absturz des Flugzeugs im Westen des Landes waren 44 Menschen ums Leben gekommen. Den Absturz der anderen Tupolew mit 46 Menschen an Bord hatte der Geheimdienst bereits am Freitag als "Terrorakt" bezeichnet. Die beiden Flugzeuge waren am Dienstag nahezu zeitgleich abgestürzt.

Waren zwei Tschetscheninnen an den Anschlägen beteiligt?
Die Ermittler konzentrierten sich nach russischen Medienberichten auf die Leichenteile zweier Frauen aus der abtrünnigen Kaukasusrepublik, nach denen sich bisher keine Angehörigen erkundigt haben. ITAR-TASS meldete, dass von den 46 Menschen an Bord einer der beiden Tupolews alle bis auf eine Frau identifiziert seien. Bei der Toten handele es sich wahrscheinlich um eine Tschetschenin, über die zunächst nichts Genaueres bekannt war. Die Frau habe ihr Flugticket in letzter Minute gekauft und sei als Letzte an Bord der Maschine gegangen, berichtete die Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda".

27-Jährige hatte "ein eindeutiges Motiv zum Sterben"
Hinter dem Anschlag auf die Tupolew 134 stecke vermutlich ebenfalls eine Tschetschenin, berichtete die russische Tageszeitung "Iswestija" unter Berufung auf einen Beamten aus dem Heimatort der Frau. Die 27-Jährige habe "ein eindeutiges Motiv zum Sterben" gehabt: Vor vier Jahren hätten Sicherheitskräfte ihren Bruder abgeführt, von dem es seitdem kein Lebenszeichen mehr gegeben habe. "Indem sie sich und das Flugzeug in die Luft sprengte, hat sie ihren Bruder gerächt."

Von den zuständigen Behörden verlautete, ein Bein der Frau sei in einem der Waschräume im Heckbereich gefunden worden. Die Leiche sei im Vergleich zu den anderen schlimmer entstellt; Teile der Toten seien im Umkreis von zweieinhalb Kilometern verstreut gewesen. Die Überreste der Frau würden im Labor auf Sprengstoffspuren untersucht.

Kontrollen am Flughafen verschärft
Nach den ersten Erkenntnissen über einen Terroranschlag am Freitag verschärfte die russische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen. Das Verkehrministerium teilte mit, dass künftig Angaben aus dem Reisepass auf dem Flugticket stehen sollen. Ein Mitarbeiter des Ministeriums sagte ITAR-TASS, dadurch solle die Kontrolle von Passagieren und Gepäck verbessert werden. Verstöße gegen die neue Vorschrift sollen demnach "streng" bestraft werden.

Die zuständigen Behörden stellten nach Angaben der Regierung in Moskau schon vor Monaten Sicherheitsmängel auf dem Flughafen von Domodedowo fest, von dem die beiden abgestürzten Passagiermaschinen gestartet waren. Die Verkehrssicherheitsbehörde habe Ende Mai "eine Reihe von Mängeln" im Bereich der Fluggastsicherheit und der Befrachtung festgestellt, teilte Verkehrsminister Igor Lewitin am Freitag mit. Laut Lewitin, der die Untersuchungskommission zu den Abstürzen leitet, sind für Sicherheitsfragen "eher die Flughäfen zuständig als die Fluggesellschaften".
(apa)

28.8.2004 14:28