Wegen Demonstrationen? Powell sagt Besuch bei Olympischen Spielen ab!
- Transparent auf Akropolis: "Killer Powell go home" - Offiziell wegen Arbeitsbelastung
Einen Tag nach gewaltsamen antiamerikanischen Protesten in Athen hat US-Außenminister Colin Powell einen Besuch der Olympischen Spiele überraschend abgesagt. Wie das griechische Außenministerium am Samstag mitteilte, begründete Powell die Absage mit "Arbeitsüberlastung". Mit den jüngsten Kundgebungen in Athen habe dies nichts zu tun.
Am Vorabend hatte eine Gruppe von etwa 100 Demonstranten versucht, trotz eines Verbots gewaltsam zur US-Botschaft vorzudringen. Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Gruppe vor. Die Ausschreitungen ereigneten bei einer Kundgebung von rund 2.000 Globalisierungsgegnern gegen den geplanten Athen-Besuch Powells.
Am Samstag entfalteten Mitglieder der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) am Felsen der Akropolis ein Transparent mit der Aufschrift: "Killer Powell go home" ("Mörder Powell, geh' heim"). Die Proteste richteten sich gegen die US-Politik im Irak und im Nahen Osten.
Powell betonte in einem Schreiben an seinen griechischen Amtskollegen Petros Molyviatis: "Ich hätte mir gerne mit Ihnen die Schlussfeier (der Olympischen Spiele) angesehen. In Washington gibt es jedoch Fragen wie die Lage im Irak und im Sudan, die meine sofortige Aufmerksamkeit erfordern".
Der US-Außenminister schlug vor, den Besuch Anfang Oktober nachzuholen. Er hatte nach den ursprünglichen Plänen am Samstag in Athen eintreffen und am Sonntag an der Abschlussfeier der Spiele teilnehmen wollen. Außerdem wollte er Gespräche mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis und dem Oppositionsführer Georgios Papandreou führen.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wollte die Absage Powells nicht kommentieren. "Bei den Spielen sind 200.000 Menschen (Athleten, Offizielle, Sponsoren, Medienvertreter) akkreditiert", betonte die IOC-Sprecherin Giselle Davies. "Da geben wir zu einer einzelnen Person keinen Kommentar ab, auch wenn es sich dabei um Powell handelt."
An der Anti-US-Kundgebung hatte auch ein Dutzend freiwilliger Olympia-Helfer teilgenommen. Ein Sprecher des Olympischen Organisationskomitees ATHOC erklärte dazu: "Diese Gruppe repräsentiert nicht die Gesamtheit der 45.000 Freiwilligen". (apa)
