Freitag, 27. August 2004

US-Armeebericht: General Sanchez soll Folterungen in Abu Ghraib gebilligt haben

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Neue Vorwürfe im Folterskandal um das Gefängnis Abu Ghraib im Irak! General Sanchez, der frühere Oberkommandierende General Sanchez soll einem Bericht der New York Times zufolge die brutalen Verhörmethoden gebilligt haben.

Auch im Irak seien Befragungsmethoden angewandt worden, die ursprünglich nur für Häftlinge in US-Gefängnissen in Afghanistan und Guantanamo Bay auf Kuba bestimmt gewesen seien, berichtete die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf bisher unter Verschluss gehaltene Teile eines am Mittwoch in Auszügen veröffentlichten Armeeberichts. Den 171-seitigen Bericht erhielt das Blatt nach eigenen Angaben von einem ranghohen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums.

Die von Sanchez genehmigten Befragungspraktiken hätten gegen die Armee-Richtlinien und die Genfer Konventionen verstoßen, hieß es in dem Bericht. Sanchez' Anordnungen hätten Misshandlungen zwar nicht offiziell gebilligt, aber den umstrittenen Verhörmethoden Tür und Tor geöffnet. Zu den nicht ausdrücklich verbotenen Methoden gehörte der Zeitung zufolge die Isolationshaft. Zuweilen mussten die Häftlinge auch nackt in sehr kalten oder heißen Räumen sowie in kleinen oder völlig verdunkelten Zellen ausharren. Die Praktiken seien Sanchez im Sommer 2003 vom Kommandanten des US-Militärgefängnisses in Guantanamo Bay, Geoffrey Miller, und einer Einheit des US-Militärgeheimdiensts, die zuvor in Afghanistan eingesetzt war, empfohlen worden.

Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine von Menschenrechtsgruppen und demokratischen Kongressabgeordneten geforderte unabhängige Untersuchung der Haftbedingungen in Abu Ghraib ab. Die Menschenrechtsorganisationen amnesty international und Human Rights Watch halten dies für die einzige Möglichkeit, um die Wahrheit über den Folterskandal in dem Bagdader Gefängnis herauszufinden. Ein amnesty-Sprecher sagte, keine der bisherigen Untersuchungen habe die Misshandlungen und den sexuellen Missbrauch von Häftlingen in Abu Ghraib umfassend untersucht. Zudem sei in dem "Stückwerk von Berichten" die Rolle des US-Geheimdiensts CIA bisher nicht beachtet worden.

Am Dienstag hatte eine Kommission unter Leitung des ehemaligen Verteidigungsministers James Schlesinger Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der US-Militärführung eine Mitschuld des US-Militärs an dem Folterskandal in Abu Ghraib gegeben. Noch laufende Untersuchungen sollen einem Armeesprecher zufolge im März kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Fotos von Misshandlungen im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad hatten weltweit Empörung ausgelöst und auch die US-Regierung in Bedrängnis gebracht. (apa/red)

27.8.2004 18:36