Italienische Geisel im Irak tot: Journalist Enzo Baldoni von Entführern ermordet!
- Al-Jazeera-Sprecher: "Widerwärtige Szenen auf Foto"
- Berlusconi verurteilt "barbarischen Akt"
Irakische Extremisten haben den vor einer Woche entführten italienischen Journalisten Enzo Baldoni getötet. Das berichtete der arabische Fernsehsender Al Jazeera in der Nacht auf Freitag. Die Entführer hatten die Tötung ihrer Geisel angedroht, sollte Italien nicht seine 2700 Soldaten aus dem Irak zurückziehen. Die Terroristen hätten Baldoni hingerichtet, weil Italien ihre Forderung nicht innerhalb von 48 Stunden erfüllt habe, berichtete der Fernsehsender. Italien stellt das drittgrößte Kontingent der multinationalen Truppen im Irak.
Wie ein Sprecher von Al Jazeera sagte, erhielt der Sender am Donnerstag ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der 56jährige Journalist offenbar getötet wird. Der Sender habe sich mit Rücksicht auf die Zuschauer entschieden, das Video nicht auszustrahlen. Der Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, auf welche Weise Baldoni umgebracht wurde. Er sagte lediglich, das Video enthalte "widerwärtige Szenen". Italiens Außenminister Frattini korrigierte: Al Jazeera besitze nur ein Foto und kein Video von der Ermordung. Zudem sei der Körper Baldonis in einem Zustand, den man nicht als "blutrünstig" bezeichnen könne.
"Wir begreifen nicht, was geschehen ist", sagte der Minister. Er versicherte, dass sich sein Ministerium eingeschaltet habe, um Baldonis Leiche nach Italien zu überführen.
Frattini bestätigte, dass sich Italien dem Terrorismus nicht beugen und seine Truppen im Irak nicht abziehen werde. "Die Erpressung durch Terrorismus darf uns nicht beeinflussen", meinte der Minister. Italien werde mit seinen Truppen im Irak bleiben, solange es die Regierung von Iyad Allawi fordern werde. "Der Terrorismus ist ein Mittel, mit dem man die Autonomie und die Freiheit eines Landes einzuschränken versucht. Die Terrordrohungen dürfen uns nicht beeinflussen. Die Regierung darf Erpressungen nicht dulden", betonte Frattini.
Baldoni nach Kampf erschossen?
Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa ist Baldoni erschossen worden. Das Video sei "kurz und blutig", berichtete Ansa am Freitag. Der italienische Botschafter im katarischen Doha habe die Aufnahmen in der Redaktion des Senders Al Jazeera angesehen.
Baldoni sei nicht enthauptet worden. Nach den der Agentur vorliegenden Informationen ist das Video sehr unübersichtlich; im letzten Teil des Videos sei ein Kampf zu erkennen, der Gefangene habe sich offenbar heftig gegen seine Ermordung gewehrt.
Italien lehnte Ultimatum ab
Al Jazeera hatte am Dienstag ein Video ausgestrahlt, auf dem sich eine Gruppe namens Islamische Armee im Irak zu der Entführung Baldonis bekennt. In einer Erklärung der Entführer hieß es, die Sicherheit der Geisel könne nicht gewährleistet werden, solange Italien nicht binnen 48 Stunden den Rückzug seiner 3.000 Soldaten aus dem Irak bekannt gebe. Die Regierung lehnte diese Forderungen geschlossen ab.
Berlusconi verurteilt "barbarischen Akt"
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi reagierte in einer in der Nacht verbreiteten Erklärung mit Abscheu auf die Nachricht von der Tötung Baldonis. Er sprach von einem barbarischen Akt. Zugleich bekräftigte er, dass die italienischen Truppen im Irak blieben.
Italien geschockt über die Hinrichtung
Italien reagiert geschockt auf die Hinrichtung des im Irak entführten italienischen Journalisten Enzo Baldoni. Mit Spannungen und Teilnahme hatte das Land in den letzten zwei Tagen die Bemühungen der italienischen Regierung und die Appelle der Familie Baldonis für die Freilassung des Reporters, eines freien Mitarbeiters des Mailänder Wochenmagazins "Il Diario", verfolgt. Die beiden Kinder Baldonis, Guido und Gabriella, sowie sein 82-jähriger Vater, die mit Videoappellen die Kidnapper gebeten hatten, das Leben ihres Angehörigen zu schonen, hatten die Italiener zutiefst gerührt.
Italienische Zeitungen hatten berichtet, Baldoni und sein Dolmetscher seien bei Najaf in einen Hinterhalt geraten. Er habe als Freiwilliger für das Rote Kreuz im Irak gearbeitet, sagte seine Tochter Gabriella Baldoni am Mittwoch im italienischen Fernsehen. "Er hat versucht, Menschenleben in Najaf zu retten, indem er einem Konvoi des Roten Kreuzes aus dem Geist der Solidarität heraus geholfen hat, der stets seinem Denken und Handeln zugrunde lag."
Seit April wurden vier weitere Italiener von Aufständischen als Geiseln genommen. Einer von ihnen wurde getötet, die drei übrigen kamen frei. Aufständische haben Dutzende Ausländer entführt, um den Abzug ausländischer Truppen und Firmen aus dem Irak zu erpressen. Viele Geiseln kamen wieder frei, einige wurden getötet.
(apa/red
