Dienstag, 24. August 2004

Kämpfe in Najaf halten weiter an: US-Armee setzt Kampfflugzeuge im Irak ein

  • Ultimatum von Iraks Verteidigungsministers an Rebellen
  • Bombenanschläge auch auf zwei irakische Minister

Auch in der dritten Nacht in Folge ist die irakische Pilgerstadt Najaf wieder von schweren Kämpfen erschüttert worden. Am späten Montagabend griff die US-Armee erneut Stellungen der schiitischen Milizionäre rund um die Imam-Ali-Moschee an. Die US-Armee setzte erneut Militär-Jets gegen die Al-Sadr-Einheiten ein. Auch in diversen anderen irakischen Städten wurden Ziele bombardiert.

Nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera wurden Stellungen der so genannten "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al Sadr von US-Flugzeugen aus der Luft beschossen.

US-Kampfflugzeuge bombardierten am frühen Dienstag erneut auch die sunnitische Widerstandshochburg Falluja. Über den südlichen Stadtbezirken sei Rauch aufgestiegen, berichteten Augenzeugen. Die US-Militärführung wollte zu den Berichten keine Stellung nehmen.

Ultimatum an die Rebellen
Unterdessen hat der irakische Verteidigungsminister Scheich Hazim al-Shaalan den Rebellen ein Ultimatum gestellt und forderte sie auf, sich binnen Stunden zu ergeben. "Die Stunden der Entscheidung" seien nahe, doch werde man den Anhängern des radikalen Schiitenpredigers Moktada al Sadr noch eine Chance geben. Über Lautsprecher sollten sie aufgefordert werden, die Moschee zu verlassen.

Befreiung ohne US-Armee
"Wir haben einen kompletten militärischen Plan, um in den nächsten Stunden den heiligen Bezirk der Imam-Ali-Moschee aus den Händen der "Mehdi-Armee" zu befreien", sagte Al-Shaalan in Najaf gegenüber der dpa. Für diese Operation seien allein die irakische Nationalgarde und die Polizei verantwortlich. "Wir brauchen die US-Armee nicht", betonte der Minister. Der Gouverneur von Nadjaf bestätigte einen bevorstehenden Großangriff. "Wir werden die Stadt säubern", sagte Adnan el Sorfi. Die Nationalgardisten seien bis auf 300 Meter an die Moschee herangerückt.

"Wenn sie (die Rebellen) nicht zuhören, wird es eine ganz einfache Aktion geben, einen ganz einfachen Angriff", sagte Al-Shaalan gegenüber dem Fernsehsender "Al Arabiya". Für die Stürmung sei der Name "Operation Gnade" vorgesehen. Auf die Frage, ob noch am Dienstag mit dem Angriff zu rechnen sei, sagte Al-Shaalan: "Wir werden der menschlichen Lösung eine größere Chance einräumen. Wenn wir die Geduld verlieren, kommt die Zeit für den militärischen Plan."

Bagdad: Anschläge auf zwei irakische Minister
Auch in Sadr-City, einem Armenvorort der irakischen Hauptstadt Bagdad, sei es erneut zu Kämpfen gekommen, berichtete Al Jazeera. US-Kampfflugzeuge hätten in der Nacht Ziele in Sadr-City bombardiert, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. In dem Vorort, der zum Teil von Sadrs "Mahdi-Armee" kontrolliert wird, seien heftige Explosionen zu hören gewesen.

Zwei Mitglieder der irakischen Übergangsregierung sind am Dienstag offenbar zum Ziel von Bombenanschlägen in Bagdad geworden. Weder die Umweltministerin Miskhat Moumin noch Bildungsminister Sami Mudhafar kamen jedoch bei der Explosion zweier Sprengsätze im Süden und im Westen der irakischen Hauptstadt zu Schaden. Insgesamt wurden mindestens drei Menschen getötet und vier weitere verletzt, sagte die Polizei. Der US-Nachrichtensender CNN meldete vier Todesopfer.

Zu den Anschlägen bekannte sich offenbar die Extremistengruppe um den Jordanier Abu Musab al Zarqawi. In dem Bekennertext im Internet wird auch mit weiteren Anschlägen gedroht. Die Ministerin werde nicht entkommen, hieß es.
(apa/red)

24.8.2004 07:49