Montag, 23. August 2004

Najaf: Al-Sadr-Einheiten und US-Truppen kämpfen weiter um die Imam-Ali-Moschee

  • Irakische Regierung gegen Stürmung des Schreins
  • US-Armee bombardiert Altstadt

Der Konflikt in der südirakischen Pilgerstadt Najaf droht weiter zu eskalieren. Irakische und amerikanische Soldaten lieferten sich auch am Montag wieder erbitterte Kämpfe mit aufständischen Schiiten. US-Panzer rückten erstmals bis auf 250 Meter auf die Imam-Ali-Moschee vor, in der sich Anhänger des radikalen Predigers Moktada al Sadr weiter verschanzt hielten.

Dessen Kämpfer hielten trotz der neuen Angriffe aus der Luft ihre Stellungen um das Heiligtum. Der iranische Präsident Mohammad Khatami dementierte iranische Hilfe für die Sadr-Miliz.

Bei Attacken mit Hubschraubern und Kampfjets wurde auch der historische Friedhof von Najaf beschossen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Aufständischen warfen der US-Armee vor, mit einer Rakete die Außenmauer der Moschee beschädigt zu haben. In der Außenmauer der Moschee klaffte ein rund einen Quadratmeter großes und 30 Zentimeter tiefes Loch. Über dem Friedhof, dem "Tal des Friedens", standen dichte Rauchsäulen. Zudem waren Schüsse und Granatenexplosionen in der umkämpften Altstadt zu hören.

Ein Sadr-Sprecher sagte, ein US-Kampfhubschrauber habe die Rakete abgefeuert und mit einem zweiten Geschoss ein nahe gelegenes Hotel getroffen. Die US-Armee wies die Vorwürfe zurück. Rund um die Moschee waren keine US-Panzer und nur wenige Milizionäre zu sehen. Ein Sadr-Vertreter teilte mit, die Milizionäre hätten ihre Taktik geändert und sich in versteckte Positionen zurückgezogen.

Al Sadrs Anhänger weigerten sich trotz entsprechender Zusagen weiter, die Moschee zu verlassen und den Schlüssel an Vertreter von Großayatollah Ali Sistani zu überreichen. Die Verhandlungen würden sich aufgrund der Sicherheitslage weiter verzögern, sagte ein Sadr-Vertrauter. Auch die Vermittlungsbemühungen einer Delegation der irakischen Nationalkonferenz kamen nicht voran.

Trotz dieses Patts sprach sich der irakische Sicherheitsberater Muaffak al Rubaie abermals gegen eine Erstürmung der Moschee aus. "Die Regierung wird nichts unversucht lassen, um einen friedlichen Ausgang zu erreichen", sagte er zu AP. Syrien und Jordanien riefen zu einer friedlichen Lösung unter internationaler Vermittlung auf. Nachbarstaaten müssten dem Irak helfen, einen Weg aus der gegenwärtigen Krise zu finden, die negative Rückwirkungen auf die gesamte arabische Welt haben könnte.

Der iranische Staatschef Khatami wies Vorwürfe zurück, sein Land unterstütze die Sadr-Milizen. Die Regierung in Teheran, wo schiitische Geistliche regieren, habe im Gegenteil stets versucht, "den Frieden, die Einheit und das Verständnis unter den Gruppierungen im Irak zu befördern", sagte er laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA.

Während ein entführter US-Journalist wieder freikam, war das Schicksal von zwei französischen und einem italienischen Journalisten weiter unklar. Das italienische Magazin "Diario" teilte mit, ihr Mitarbeiter Enzo Baldoni habe seinen für Montag angekündigten Artikel nicht an die Redaktion geschickt. Es sei zu vermuten, dass er gegen seinen Willen im Irak festgehalten werde. Zwei Journalisten der französischen Tageszeitung "Le Figaro" und von Radio France International (RFI) blieben ebenfalls vermisst. Zuvor waren der US-Journalist Micah Garen und sein Übersetzer auf Vermittlung Al Sadrs von ihren Entführern freigelassen worden.

Unklar blieb das Schicksal von zwölf entführten nepalesischen Arbeitern im Irak. Die Regierung in Kathmandu teilte mit, sie habe kaum Neuigkeiten, weil sie keine Vertretung im Irak habe. Eine radikale Fundamentalistengruppe namens "Armee von Ansar el Sunna" hatte zuvor Fotos der Geiseln im Internet veröffentlicht.

Der Kampf gegen die Aufständischen im Irak könnte laut einem Zeitungsbericht nach Einschätzung von US-Armeevertretern noch bis zu zehn Jahre dauern. Entsprechend zitierte die Tageszeitung "USA Today" einen Vertreter der US-Marineinfanterie. Der Zeitung zufolge sank die Zahl der Anschläge auf US- und irakische Truppen seit der Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung am 28. Juni nur geringfügig. Im Juni habe es im Durchschnitt täglich 52 Übergriffe gegeben, nun liege diese Zahl bei 49. (apa/red)

23.8.2004 07:37