Mittwoch, 25. August 2004

Jetzt ist es fix: Jürgen Flimm wird neuer Intendant der Salzburger Festspiele!

  • Schmidl wird Konzertchef, Rabl-Stadler und Schwaighofer verlängert - Verträge laufen bis 2011

Der Nachfolger von Intendant Peter Ruzicka, der nach der Saison 2006 bei den Salzburger Festspielen ausscheidet, heißt wie erwartet Jürgen Flimm (63). Dies beschloss das Kuratorium in seiner Sitzung einstimmig. Der Geschäftsführer und Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker, Peter Schmidl, übernimmt die Verantwortung für den Konzertbereich.

Verlängert wurden außerdem die Verträge von Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und des kaufmännischen Direktors, Gerbert Schwaighofer. Alle vier Kontrakte laufen nun einheitlich bis zum 30. September 2011. Zur Kür des bisherigen Schauspieldirektors Flimm gab es durchwegs positive Reaktionen.

"Ich freue mich natürlich auf diese höchst anstrengende Aufgabe und sehe ihr mit großer Spannung entgegen", meinte Flimm nach seiner Bestellung bei einem Pressegespräch. Die Schwierigkeit sei es, die Balance zwischen dem künstlerischen Anspruch - alles nach vorne zu treiben - und dem Anspruch des Publikums auf Unterhaltung zu finden. Flimm stellte auch unmissverständlich klar, dass er ab Oktober 2006 Salzburg zu seinem Mittelpunkt machen werde.

In einem - zehn Punkte umfassenden - Grundsatzpapier legte Flimm seine Gedanken zur künftigen Ausrichtung und Programmatik der Salzburger Festspiele dar. Neben den drei bisherigen Sparten Oper, Schauspiel und Konzert soll eine Öffnung zu anderen Genres und Präsentationsformen erfolgen: Exquisite Jazzkonzerte, Crossover-Projekte, auch die Operette könnten hier ihren Platz finden. Genauso wäre an spartenübergreifende, thematisch gebundene Projekte zu denken, die Musik und Literatur koppeln, Kammermusik und Orchestrales in ein Spannungsverhältnis bringen. Über eine Wiederaufnahme der renommierten "Zeitfluß"-Schiene wird nachgedacht. Composers in residence und Dichter zu Gast sollen weiterhin eingeladen werden.

Um ein überzeugendes Programm für die Festspiele zu entwickeln, wird eine Arbeitsgruppe gegründet, deren Mitglieder ihr ganz eigenes Fachwissen einbringen. Gespräche wurden darüber bereits mit Nikolaus Harnoncourt, Franz Welser-Möst, Klaus Zehelein, Neil Shicoff, Markus Hinterhäuser, Clemens Hellsberg und Andrea Breth geführt. Die Pfingstfestspiele sollen von der ausschließlichen Fixierung auf die Barockmusik gelöst werden. Pro Saison soll vielmehr ein Kurator verpflichtet werden, der das Programm gestaltet und Kollegen zum gemeinsamen Musizieren einlädt.

"Habemus papam", hatte der Vorsitzende des Kuratoriums, Heinrich Wiesmüller, nach der Sitzung verkündet. Er begrüße es auch, dass Flimm die Zusammenarbeit mit Franz Welser-Möst suche. Der Dirigent werde eingeladen, mehrere Opern zu dirigieren und jedes Jahr auch ein großes Orchesterkonzert. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) bezeichnete die Lösung als "das Beste für Salzburg", denn nun sei gewährleistet, dass neben viel Erfahrung auch viel Neues zugelassen werde. Bürgermeister Heinz Schaden (S) kündigte an, dass man "spannende Veränderungen der Festspiele erleben" dürfe. Peter Radel, der das Bundeskanzleramt im Kuratorium vertritt, sprach von einer "pragmatischen Entscheidung", und Armin Fehle als Vertreter des Finanzministeriums von einer "besonders guten Lösung".

Positiv waren auch die Reaktionen von Staatssekretär Franz Morak (V), des Direktors der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, des Vorstand der Wiener Philharmoniker, Clemens Hellsberg und des ehemaligen organisatorisch-künstlerischen Leiters der Salzburger Festspiele, Hans Landesmann. Flimm sei eine Bereicherung für Salzburg, erklärten sie sinngemäß. Und auch der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl meinte, dass es "Schlimmeres als Flimm" geben hätte können. (apa)

25.8.2004 12:46