Dienstag, 24. August 2004

Strasser für Gleichstellung der Homo-Ehe:
"Nicht dafür, dass man Unterschied macht"

  • Innenminister für eine "zeitgemäße Regelung"
  • Bischof Küng spricht sich gegen Gleichstellung aus

Die Debatte um die Homo-Ehe geht weiter. Jetzt hat sich auch Innenminister Strasser zu Wort gemeldet. Er tritt für die Gleichstellung ein. Es müsse eine "zeitgemäße Regelung" geben. Strikt dagegen ist hingegen Bischof Küng, derzeit apostolischer Visitator in St. Pölten. "Eine Gleichstellung von etwas, was nicht gleich ist, wäre ungerecht".

Für das konservative Lager kommt die Aussage des Innenministers im "ZiB3"-Interview einigermaßen überraschend. Strasser sei nicht dafür, "dass man irgendeinen Unterschied zwischen hetero- und homosexuellen Paaren macht."

Er wolle eine Regelung im bürgerlichen Gesetzbuch, damit "Partnerschaften als normaler Teil unserer Gesellschaft auch rechtlich abgesichert sind", so Strasser weiter.

Küng gegen Homo-Ehe
Familien-Bischof Klaus Küng hat Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien seine klare Ablehnung einer Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe unterstrichen. "Jeder Mensch ist zu achten und in seiner Würde anzuerkennen, das gilt natürlich auch für homosexuell geneigte Menschen", betonte Küng demnach laut Kathpress vom Dienstag bei der von der "Weltjugendallianz" organisierten Veranstaltung im Curhaus am Stephansplatz. Die so genannte "Homo-Ehe" sei aber ein Widerspruch, schon vom Begriff her.

"Ehe ist nach meinem und auch nach dem Verständnis der Ethik immer eine Beziehung zwischen Mann und Frau, die gleichzeitig einen Bezug zur Nachkommenschaft hat", so Küng. Der Begriff "Ehe" sei deshalb nach seiner Auffassung unbedingt der Beziehung zwischen Mann und Frau vorbehalten. "Eine Gleichstellung von etwas, was nicht gleich ist, wäre ungerecht", betonte der Feldkircher Diözesanbischof. Verständnis äußerte Küng aber für die Forderungen nach Gleichstellung, etwa in der Frage des Besuchsrechtes oder der Weitergabe von Vermögen. Es gebe in diesen Bereichen aber bereits bestehende zivilrechtliche Möglichkeiten, um solche auch menschlich verständlichen Bedürfnisse zu erfüllen, betonte der österreichische Familien-Bischof.

Bartenstein für Gleichstellung bei Pflegekarenz
Wirtschafts- und Arbeitsminister Bartenstein spricht sich in der Debatte für Verbesserungen bei der Pflege- und Hospizkarenz aus. Bei einer Pressekonferenz betonte er am Dienstag allerdings, dass er sich vorerst nur "ressortspezifisch" zu dem Thema äußern wolle, insgesamt werde er sich an der Debatte "zu gegebener Zeit" beteiligen.

Er halte viel davon, die Diskussion ÖVP-intern zu führen, meinte Bartenstein. Im Bereich der Arbeitsmarktpolitik habe er aber sehr wohl eine Meinung zu spezifischen Punkten, so der Minister. Er verwies darauf, dass in Folge von EU-Richtlinien "wahrscheinlich" eine Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren bei der Familienhospizkarenz und der Pflegekarenz nötig sein werde. Falls ein Partner erkrankt, ist eine Pflegefreistellung bzw. Hospizkarenz derzeit für Homosexuelle nicht möglich. In Wien und in der Steiermark gibt es die Möglichkeit aber bereits für öffentlich Bedienstete.
(apa/red)

24.8.2004 08:04