Montag, 16. August 2004

Liebe im Tarnanzug: Die Deutschen erlauben Sex in Bundeswehr-Kasernen

  • Einschränkung: Betrieb darf nicht beeinträchtigt werden
  • Liebe damit auch beim Heer zur Privatsache geworden

Die deutsche Bundeswehr gestattet ab sofort Sex in der Kaserne - solange es den Betrieb nicht stört. Peter Struck, Verteidigungsminister unserer Nachbarn, gestattete dies bereits im Juli auf Anraten von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan. Hohe Bundeswehrfunktionäre hatten zuvor schon die alten Regeln als lebensfremd bezeichnet.

Der Grundsatz lautet, dass Sex für das Dienstverhältnis nur dann von Bedeutung ist, wenn der Betrieb beeinträchtigt wird. Das wäre der Fall bei einer "nach außen hin wahrnehmbaren sexuellen Betätigung in dienstlicher Unterkunft". Wer aber leise und unauffällig liebt, wird nicht länger als Störenfried in der Bundeswehr gebrandmarkt und vor das Truppendienstgericht gezerrt. Geahndet werden natürlich nach wie vor sexuelle Übergriffe, sexuelle Belästung und Schädigung des Ansehens der Bundeswehr und der Kameradschaft.

Liebe ist nun Privatsache
Soldatinnen und Soldaten dürfen sich damit in Kasernen und während Auslandseinsätzen so verhalten wie im richtigen Leben. Ihre Liebe ist Privatsache und der Einflussnahme durch den Dienstherrn entzogen. Bisher mussten Partner in Militäranlagen getrennt leben. Nun werden Beziehungen toleriert. Das gilt auch für Homosexuelle und unterschiedliche Dienstgrade.

Kommen nun auch wieder Spindfotos?
Damit geht Schneiderhan weit über das hinaus, was sein Vorgänger Harald Kujat Ende 2000 erlassen hatte. Kujat hatte zwar schon damals
- in Anbetracht der Realität in der Bundeswehr - mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen verordnet, "das Ausleben von Sexualität jeglicher Orientierung innerhalb der militärischen Liegenschaften" aber weiter untersagt. Für Aufregung hatte er vor allem mit seiner Verbannung von Fotos reizvoller Frauen an den Spindtüren der Männer gesorgt. Damit wollte er die damals in die Bundeswehr erstmals eingezogenen Soldatinnen vor Peinlichkeiten schützen.

"Selbstdisziplin" wird dennoch erwartet
"Der neue Erlass greift gesellschaftliche und bundeswehrinterne Entwicklungen wie die Öffnung aller Laufbahnen für Frauen und Wünsche von Soldatinnen und Soldaten auf", sagt ein Ministeriumssprecher. Bestreben der Bundesregierung sei, der Fortentwicklung des Partnerschaftsrechts gerecht zu werden.
In einem Punkt ähneln sich die Auflagen von Kujat und Schneiderhan. Kujat mahnte damals zur "Kultur der Zurückhaltung". Schneiderhan erwartet nun ein hohes Maß an "Selbstdisziplin". (apa/red)

16.8.2004 17:01