Waldviertler Gold: Wiener Pilzesammler fand zufällig die begehrten Weißtrüffeln
- Pilzsammler fand erstaunliche Mengen edler Knollen
- FORMAT: Kein Verkauf trotz Kilopreis von ca. 2.000 Euro
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Ein Heilmasseur aus Wien machte im Waldviertel einen sensationellen Fund. Karl Heinz Kantona entdeckte in der Gegend nördlich von Maissau bei Eggenburg Weißtrüffeln. Eigentlich hätte der begeisterte Schwammerlsucher nur auf Pilzjagd gehen wollen. Trotz eines Kilopreises von rund 2.000 Euro denkt der Mann mit dem guten Riecher aber nicht ans Verkaufen.
Der Mann ist im Hauptberuf Heilmasseur, sein Hobby aber ist das Pilzesammeln. Seit Jahren zieht es ihn regelmäßig in die Wälder, bis zu neunzig verschiedene Pilze hat Karl Heinz Katona im Laufe der Zeit bereits aufgestöbert.
In seiner Privatbibliothek lagern 45 Pilzbücher, in Sachen Schwammerln macht dem Mann keiner was vor. "Pilze sammeln ist reine Erfahrungssache", meint Katona, "dafür muss man eine Nase haben."
Sensationeller Fund füllte einen ganzen Korb
Seinem geschulten Riechorgan verdankte Katona in den letzten beiden Wochen jedoch ganz besondere Trophäen. Der Schwammerlfreak stieß zufällig auf Trüffeln, weiße, intensiv riechende Knollen, und das in einer erstaunlichen Menge. Vor zwei Wochen fand er mehrere fast faustgroße Knollen, eine Woche später buddelte Katona abermals einen ganzen Korb voller Stinker aus.
Trüffeln in Österreich? Gibt es das überhaupt? Bislang wurden vor allem in der Gegend um den Semmering, gelegentlich auch in Oberösterreich so genannte "Sommertrüffeln" gefunden. Vor wenigen Tagen erst meldete die "Kronen Zeitung" einen solchen "Sensationsfund". Doch Sommertrüffeln aus Österreich gelten eher als geschmacks- und geruchsarm und werden von Feinschmeckern meist nur belächelt.
Eggenburger Trüffeln schmecken hervorragend
Katona aber fand im Waldviertel, genauer gesagt in der Gegend nördlich von Maissau bei Eggenburg, weiße, intensiv riechende Knollen, die von der Anmutung her an die begehrten weißen Trüffeln aus dem Piemont oder Umbrien erinnern.
Unbekannte Schätze: Wie sich später herausstellte, stieß Katona im Waldviertel auf so genannte "Weißtrüffeln", in Pilzbüchern unter der Bezeichnung Choiromyces meandriformis aufgelistet. Diese Trüffelart, so die einschlägige Literatur, ist "über die gesamte gemäßigte Zone der Nordhalbkugel verbreitet" und wird als essbar und "zum Würzen von Speisen geeignet" beschrieben. Tatsächlich hat die Weißtrüffel eine feste Innenmasse, die zwar nicht ganz so kräftig riecht und schmeckt wie die unter Gourmets am meisten geschätzten Albatrüffel (Tuber magnatum pico), das Aroma ist aber dennoch erstaunlich intensiv. Katona, in früheren Zeiten auch Koch und Gastronom: "Ich hab es am Anfang selber nicht geglaubt. Aber diese Trüffeln - über Nudeln gehobelt - schmecken hervorragend."
"Ganz zufällig gefunden"
Doch wie findet Katona die Waldviertler Kollen? Schließlich werden in Italien und Frankreich für die Trüffelsuche Schweine und Hunde herangezogen, die durch ihren ausgeprägten Geruchssinn die Stinker in der Erde aufstöbern. Katona: "Die ersten Trüffeln hab ich zufällig gefunden, eigentlich war ich gerade auf der Suche nach ganz speziellen Pilzen."
Da die Weißtrüffel meist leicht aus der Erde ragt, konnte sie Katona entdecken. Später fand er heraus, dass Fruchtfliegen ihre Eier mit Vorliebe in den Knollen ablegen. "Daraufhin bin ich den Fliegen gefolgt", erklärt Katona mit verschmitzten Lächeln, so als könnte es sich bei der Fliegentheorie auch um ein bisschen Sammlerlatein handeln.
"Bin Sammler und kein Trüffelhändler"
Die genauen Plätze will der Mann natürlich nicht verraten, weshalb er stets allein im Unterholz stöbert. Und ans Verkaufen denkt er auch nicht. Sämtliche Funde werden ausnahmslos zusammen mit Freunden vertilgt. "Ich weiß, ich könnte damit leicht Geld verdienen", meint Katona, "aber das interessiert mich nicht. Ich bin Sammler und kein Trüffelhändler."
Von so nobler Zurückhaltung sind Trüffelsucher nur selten. Schließlich werden für die begehrten Edelpilze zuweilen astronomische Summen verlangt. In guten Trüffeljahren wie etwa 2002 betrug der Kilopreis für Piemont-Trüffeln etwa 2.000 bis 2.500 Euro. Im Vorjahr, wegen der Trockenheit ein ausgesprochen schlechtes Trüffeljahr, schnellten die Preise abermals um ein Drittel nach oben. Katona: "Das ist ein Irrwitz, da bleib ich lieber im Waldviertel." (Format/33)
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