Dienstag, 17. August 2004

Ars Electronica feiert 25-jähriges Jubiläum: Bisher größtes Festival wartet

  • Ars Electronica '04 blickt auf Vergangenheit und Zukunft
  • Heuriges Festival dauert von 2. bis 7. September

Die Ars Electronica feiert von 2. bis 7. September ihren 25. Geburtstag. Anlässlich des runden Jubiläums gibt es das längste Festival der Ars Electronica Geschichte. Das Linzer Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft entführt dabei in die Zukunft: Unter dem Motto "Timeshift" ist die Welt in 25 Jahren Thema des wissenschaftlichen und künstlerischen Programms.

Gefeiert wird mit Veranstaltungen in ganz Linz, vom großen Geburtstagsfest "Vita Pulsante" (3. 9.) bis zur Uraufführung des zentralen Projekts "Apparition" (4. 9.), für das der Komponist und Medienkünstler Klaus Obermaier mit dem Ars Electronica-Futurelab zusammengearbeitet hat. Ebenfalls Teil der Feierlichkeiten ist die heuer von Peter Wolf gestaltete visualisierte Klangwolke "Sense-ation" (4. 9.).

Prix Ars Electronica beim Brucknerhaus
Erstmals verschmelzen bei dem heuer sieben statt sonst fünf Tage dauernden Festival die Eröffnungsveranstaltung und die Prix Ars Electronica Gala zu einem großen Event am 3. 9. im Brucknerhaus. Danach wird das "Vita Pulsante" bis in den Morgen im Bereich um das Ars Electronica Center (AEC) u. a. mit interaktivem Golfen, Musik und der "Langen Nacht der Radiokunst" gefeiert.

28.351 Einreichungen in der Geschichte
Vergleichsweise jung ist die von der Ars Electronica behandelte Kunstform, doch in 25 Jahren kommt so einiges zusammen. Alleine 28.351 Einreichungen hat es in der Geschichte des Prix Ars Electronica gegeben, in Linz befindet sich "das mit Sicherheit größte kontinuierliche Archiv für Medienkunst", schilderte Ars-Leiter Gerfried Stocker. Das Archiv ist selber wieder Stoff für ein eigenes Projekt: Im Rahmen des Auftakt-Symposiums "Language of Networks" präsentiert Gerhard Dirmoser sein "Network of Media Art".

Digital-Avantgarde im Lentos
Dirmoser hat alle bisherigen Ausgaben des Festivals besucht und akribisch dokumentiert. In großformatigen Diagrammen sind nun alle Sichtweisen und Personen aus 25 Jahren Festivalgeschichte dargestellt. Die eigene Vergangenheit ist auch in der schon in New York gezeigten Schau "Digital Avant-Garde", die im Lentos Kunstmuseum zu sehen sein wird (übrigens die erste Kooperation zwischen Ars Electronica und Lentos), Thema des Zukunfts-Festivals.

Sieben Ausstellungen
Doch der Hauptaugenmerk des "Timeshifts" richtet sich auf die Zukunft - wenn auch mit berechtigtem Vorbehalt: "Wir sind nicht so blauäugig zu glauben, Prognosen stellen zu können", so Co-Direktorin Christine Schöpf. Erkundet wird, was "wir aus den vergangenen 25 Jahren gelernt haben". Die sieben Ausstellungen des Festivals spannen den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft des kreativen Schaffens, etwa mit einer Präsentation des Schaffens von Studenten von IAMAS, einer renommierten japanischen Ausbildungsstätte, oder der jährlichen Schau der Prix Ars Electronica-Preisträger "CyberArts" im O.K. Centrum für Gegenwartskunst. Die Einreichungen zum Prix Ars Electronica hatten heuer "eine stark politische Komponente", so Schöpf, vom Anti-Bush-Wahlkampagne bis zu Copyright-Fragen. Eine eigene Ausstellung bekommt Johannes Deutsch, der Ende September beim Brucknerfest Wagners "Rheingold" mit einer virtuellen 3D-Welt verknüpft.

Generationen-Thematik
Im "Timeshift"-Symposium besonders deutlich ist die Generationen-Thematik, die sich durchs gesamte Festival zieht. Beiträge von Pionieren der vergangenen 25 Jahre, wie Peter Weibel, Esther Dyson, Sherry Turkle, Marvin Minsky oder Stewart Brand, werden von unter-25-jährigen Künstlern und Forschern kritisch kommentiert.


Auf dem Hauptplatz heißt es "Linz schreibt Zukunft", wenn Besucher und Einheimische Zukunftsszenarien für die Stadt entwerfen sollen. Und dass Medienkunst nicht staubtrocken ist, zeigen viele der Projekte: Mit Wasser gefüllte "Think Tanks", in die Festivalbesucher eintauchen können, um sich isoliert über die Zukunft Gedanken zu machen, Postkarten mit Ansichten aus der Zukunft oder professionelle rumänische Wahrsagerinnen sind ebenso Teil der Veranstaltung wie eine Website, auf der man seine Zukunftsvorhersagen hinterlassen kann.

Medientheoretischer Battle
Am Montag (6. 9.) zieht das Brucknerorchester unter Dennis Russell Davies musikalische Bögen von modernen Komponisten wie Ligeti und Eötvös zu heutigen Remixern. Und beim Big Showdown am 7. 9. kommen Spielefreaks auf ihre Kosten: Im Brucknerhaus zeigen Künstler auf großer Leinwand ihre Projekte, die kommerzielle Spiele-Engines als technische Basis haben. Und dann können Teams aus Gamern, VJs und DJs in einem "medientheoretischen Battle zu Volksmusik vs. Breakbeats" antreten. (apa/red)

Info-Link:
AEC-Website

17.8.2004 15:14