Mittwoch, 18. August 2004

Udos Beichte Teil 1: Hitlerjunge Bockelmann

Die Udo-Saga. Die große Lebensbeichte des Udo Jürgens im Vorabdruck. Diese Woche: Kindheit unterm Hakenkreuz. Nächste Woche: Udos Frauen, die private Seite des Aufstiegs.

Am Anfang war kein frenetischer Applaus. Keine berstend vollen Konzerthallen. Nichts von der ohnmachtnahen Verzückung schmachtender Schwiegermütter. Am Anfang des generationsübergreifenden Phänomens Udo stand kein umjubeltes Wunderkind, sondern ein Zehnjähriger voll quälender Selbstzweifel – und rundherum war tiefbrauner Schatten.

„Irgendwie mag ich den Namen Jürgen nicht besonders. Ich kann nicht sagen, wieso, aber ,Jürgen‘ ist für mich der Inbegriff von Schwäche und Unbrauchbarkeit. Eigentlich heiße ich ja ,Jürgen Udo‘, aber so nennt mich natürlich keiner. ,Udo‘, das wäre ein richtiger Name, er hat etwas Kraftvolles, Selbstbewusstes, etwas Klares“, blickt Jürgen Udo Bockelmann, dessen klobige Identität später zum schlanken Pseudonym Udo Jürgens verschmilzt, zurück. Auf seine Frauen, seine Affären und die private Seite seines steilen Aufstiegs ebenso wie auf seine Kindheit unterm Hakenkreuz.

Kein Bierdunst. Nicht nostalgisch-verklärend, sondern naiv-analytisch. Nicht im bedrückenden Bodennebel der Biertische, in dem das dunkle Gestern oft und gern zum selbstgefälligen Heimatepos verschwimmt. Sondern im Rahmen einer 700 Seiten starken, in Romanform verfassten Familienchronik, die Anfang September, fristgerecht zu Udos 70. Geburtstag, unter dem Titel „Der Mann mit dem Fagott“ in die Buchläden kommt – und dessen brisanteste Passagen NEWS in dieser und der kommenden Nummer Österreich-exklusiv im Vorabdruck präsentiert.

September 1944. Ottmanach am Wörthersee, wo Udos Eltern Käthe und Rudi ein Schloss samt Landgut besitzen und der Vater amtierender Bürgermeister ist. Ausgerechnet als das Dritte Reich in den letzten Zügen liegt, klammert sich die kindliche Hoffnung von Volksschüler Udo an das, was er das „Kleid des Führers“ nennt – das Braunhemd der Hitlerjugend, in die der knapp Zehnjährige noch am Vorabend der totalen Kapitulation aufgenommen wird. „Im Sport bin ich eine Niete, in Rechnen und Rechtschreiben auch. Ständig bin ich krank und fehle in der Schule, und auch bei der Arbeit auf den Feldern bin ich alles andere als tüchtig. Aber jetzt, mit dem neuen Hemd, wird sicher alles besser werden.“

Prügel-Pädagogik. Zumal die Adjustierung der braunen Nachwuchskader zumindest vor den gefürchteten Züchtigungsmethoden (Rohrstabschläge, Fußtritte, Verbannung hinter den glühenden Ofen) von Dorflehrer Sauer schützt, der sich zudem als glühender Antisemit hervortut: „Wehe, wenn einer auf die Frage, welcher Rasse dieser furchterregende Untermensch auf diesem Bild angehört, nur sagt: ,Das ist ein Jude!‘ Das kann schon reichen, damit Lehrer Sauer böse wird. (…) Nur wer sagt: ,Das ist ein Sau-Jude!‘ (…) ist vor den Attacken fürs Erste sicher.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

18.8.2004 16:21