Mittwoch, 18. August 2004

Milliarden-Deal: Gruezi Telekom

  • Telekom Austria steht vor Verkauf an Swisscom

Karl-Heinz Grasser versilbert die ÖIAG-Anteile an der TA für drei Milliarden. Die Gewerkschaft tobt und droht mit Streik.

E nde Juni schien der Megadeal bereits so gut wie fix. Der Beschluss für den Verkauf der Telekom Austria an die Swisscom sollte nur noch ein Formalakt sein, alle Details waren ausverhandelt. Allerdings war die innenpolitische Lage zu diesem Zeitpunkt für Wolfgang Schüssel nicht gerade erbaulich. Die FP stand vor einer Zerreißprobe, innenpolitischer Zündstoff war daher alles andere als erwünscht. Der Kanzler pfiff Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der als Eigentümervertreter den Telekom-Verkauf führend verhandelt hat, kurzerhand zurück.

ÖIAG-Aufsichtsrat tagt. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, und Grasser flog erneut in die Schweiz, um mit seinem dortigen Amtskollegen – der Staat ist mit 62,7 Prozent Swisscom-Mehrheitseigentümer – noch einmal alle Details durchzugehen. Fazit: Jetzt wird es wirklich ernst. Kommenden Sonntag wird der Aufsichtsrat der Staatsholding ÖIAG, die derzeit noch 42,2 Prozent an der TA hält, davon in Kenntnis gesetzt, wie der Verkauf über die Bühne geht.

Widerstand des Kontrollgremiums ist – die Arbeitnehmerseite ausgenommen – nicht zu erwarten. Der Deal wird daher aller Voraussicht nach mehrheitlich beschlossen. Und Grasser kann sich freuen. Denn für das von der ÖIAG kontrollierte Paket muss die Swisscom bei einem kolportierten Preis von 15 bis 16 Euro je Aktie rund drei Milliarden auf den Tisch legen – ein willkommenes Zubrot für das arg strapazierte Budget des Finanzministers. In einem ersten Schritt sollen allerdings nur 17 Prozent den Besitzer wechseln, der Rest wird später verkauft. Ab einem Aktienanteil von 30 Prozent muss die Swisscom dann den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Und zwar zum selben Preis, den sie der ÖIAG je Aktie zahlt.

Streik-Drohung. Ganz ohne Schrammen wird die Transaktion aber nicht ablaufen. Im Gegenteil. Die Gewerkschaft tobt schon und droht mit Streik. Betriebsratschef Michael Kolek im NEWS-Gespräch: „Die Schmerzgrenze ist erreicht. Wenn jemand glaubt, dass er in zwei Wochen die ganze Telekom verkaufen kann, werden wir bis zum Äußersten gehen.“ Kolek weiter: „Das kann und will ich mir nicht vorstellen.“

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18.8.2004 15:59