Homo-Ehe: Ein heißer Konflikt
- Die heftige Debatte setzt die ÖVP auch innerparteilich unter Druck

Gleiche Rechte: Wie gleichgeschlechtliche Paare in Österreich benachteiligt werden. Was Opposition und liberale ÖVPler jetzt ändern wollen.
Guido Prodinger und Andreas Fischbacher sind seit zwölf Jahren ein Paar. Sie essen gemeinsam, verbringen ihre Freizeit gemeinsam, gehen gemeinsam ins Bett aber sie leben nicht unter einem Dach. Prodinger: Wir würden sehr gerne eine gemeinsame Wohnung kaufen, denn das Pendeln ist uns einfach nur mehr lästig. Doch gemeinsamer Besitz ist für Homosexuelle rechtlich in Österreich unglaublich kompliziert und teuer. Der Grund: Homosexuelle können zu Lebzeiten keinen gemeinsamen Kauf- oder Mietvertrag abschließen, auch wenn sie schon jahrelang zusammen sind. Die einzige Möglichkeit besteht in der Gründung einer gemeinsamen Erwerbsgesellschaft, die das Wohnobjekt erwirbt. Prodinger: Das treibt die Notargebühren in enorme Höhen. Das können und wollen wir uns nicht leisten.
Weiters leben die beiden in ständiger Angst, einmal in eine Situation zu geraten, in der ihnen ihre geschlechtliche Ausrichtung im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf fällt. Prodinger: Sollte Andreas im Spital auf der Intensivstation liegen, habe ich kein Besuchsrecht, und die Ärzte können mir jede Auskunft über seinen Zustand verweigern. Das ist doch Wahnsinn.
Heißes Thema im heißen August. Das Beispiel von Guido und Andreas zeigt, dass homosexuelle Beziehungen in Österreich auch im Jahr 2004 noch immer rechtlich ignoriert werden. Das wollte der steirische ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler ändern und forderte in der Vorwoche eine Initiative seiner Partei, um die rechtliche Gleichstellung zwischen homo- und heterosexuellen Beziehungen zu erreichen. Der laue Südwind entfacht ausgerechnet von jenem Politiker, der sich im Vorjahr mit der unsäglichen Tempo-160-Debatte inklusive T-Shirts als politischer Geisterfahrer geoutet hat entwickelte sich mitten in der politischen Sommerpause rasant zum hitzigen Orkan, der vor allem die Kanzlerpartei gehörig ins Schwitzen bringt. Denn mit seiner Meinung zur Homo-Gleichbehandlung steht Drexler innerhalb der christlich-sozialen ÖVP keineswegs alleine da. Teilweise Unterstützung erhält er von Klubchef Wilhelm Molterer. Der kann sich zumindest auf dem rechtlichen Sektor einige Veränderungen vorstellen. Molterer: Beim Miet- und Krankenbesuchsrecht und anderen formalen Details sind Änderungen denkbar. Ab Ende September soll ein eigener Arbeitskreis tagen. Der schwarze Think-Tank zur Homo-Liberalisierung ist einer von 15 Fachausschüssen. Generalsekretär Reinhold Lopatka, Justizsprecherin Maria Fekter, Ex-ÖAAB-Chef Werner Fasslabend, Schüssels Exkabinettschefin Ursula Baumgartner-Gabitzer (boxte zuletzt als Nationalrätin das Tierschutzgesetz durch), die Abgeordneten Karin Hakl (Tirol) und Anna Franz (Vorarlberg), Ex-ÖAAB-General Walter Tancsits und der pro Homo-Liberalisierung agierende Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch werden ab Ende September über der Materie brüten.
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