Montag, 16. August 2004

Michael Jacksons Selbst-Inszenierung: Vor der Anhörung lud er Kinder zu sich ein

  • Vor Gericht erscheint er in weißem Anzug mit Familie
  • Staatsanwalt Sneddon will Jackson hinter Gitter bringen

Michael Jackson ist Begleitung seiner Eltern und einiger Geschwister zu einer Anhörung des Staatsanwalts Tom Sneddon im kalifornischen Santa Maria eingetroffen. Knapp hundert jubelnde Fans begrüßten den ganz in Weiß gekleideten einstigen "King of Pop". Einige hielten Plakate mit der Aufschrift "Jackson ist unschuldig". Vorab überraschte er die Medien, als er bei dem Besuch einer Religionsschule wieder Kinder auf seine Neverland Ranch einlud.

Staatsanwalt Sneddon sollte sich bei der Anhörung zu den Umständen einer von ihm geleiteten Durchsuchungsaktion bei dem Privatdetektiv Bradley Miller äußern, der für Jacksons Anwälte arbeitete. In US-Kommentaren wurde "die öffentliche Konfrontation" als Teil einer "PR- Offensive" bezeichnet, da Jackson eigentlich keineswegs zu dem von seinen Verteidigern durchgesetzten Gerichtstermin mit dem Staatsanwalt erscheinen musste.

Jackson Anwalt Thomas Mesereau wirft Sneddon vor, er habe mit der Durchsuchung das Vertraulichkeitsprivileg verletzt, das Anwälte und ihre Mandanten sowie die für sie tätigen Ermittler genießen. Prozessbeobachter erwarteten, dass die Verteidiger Sneddon mit scharfen Fragen "grillen würden", wie der Sender CNN am Montag berichtete.

Jackson hatte zuvor mehrfach erklärt, er sehe sich als Opfer einer von Sneddon angezettelten Verschwörung. Der Strafverfolger hatte vor mehr als zehn Jahren in einem anderen Fall vergeblich versucht, Jackson wegen des angeblichen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen ins Gefängnis zu bringen. Im Rahmen der damaligen Ermittlungen hatte er durchgesetzt, dass Jackson zur Beweisfindung seine Genitalien fotografieren lassen musste.

Der Popmusiker hatte sich in einem Song seines Albums "History" bitter über Sneddon beklagt. In "D.S." singt Jackson über einen finsteren Typen namens "Dom Sheldon", was Fans als klare Anspielung auf den Staatsanwalt Tom Sneddon verstanden. Der afroamerikanische Star wirft seinem Widersacher in dem Song unter anderem vor, gemeinsame Sache mit dem Ku-Klux-Klan zu machen.

Jackson wird in einer zehn Punkte umfassenden Anklageschrift angelastet, sich im Frühjahr 2003 an einem damals zwölfjährigen Burschen vergangen zuhaben. Der Popstar wurde im November festgenommen und befindet sich gegen eine Millionen-Kaution auf freiem Fuß. Zu den Anklagepunkten gehören außer Missbrauch auch Verschwörung zur Kindesentführung. Jackson hat sich in allen Punkten für nicht schuldig erklärt.

Am Sonntag hatte Jackson überraschend Kinder zum Besuch seiner Neverland Ranch ermuntert. Bei einer Stippvisite in einer Religionsschule in Los Angeles sagte Jackson auf die Frage eines Mädchens, ob er sie auf der Ranch empfangen würde: "Du bist jederzeit willkommen."(apa/red)

16.8.2004 10:31

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