FORMAT: Papiertiger am Sprung - Diskonter Mr. Paper sagt Libro Kampf an!
- Erste Filiale eröffnete in Schwechat bei Wien. Eigen- tümer: Industriegruppe AIM um Billa-Chef Veit Schalle
Knapp zwei Wochen vor dem umsatzträchtigen Schulbeginn startete die neue Papierhandelskette Mr. Paper. Das erste Geschäft wurde am 20. August in Schwechat bei Wien eröffnet. Der in knalligem Orange gehaltene Diskonter bietet Schreibhefte, Buntstifte und ähnliche Utensilien feil. Hochinteressant sind aber vor allem die Eigentümer von Mr. Paper. Die Firma gehört der AIM Industrieholding, die sich hochkarätige Manager wie Billa-Boss Veit Schalle, Immobilienprofi Karl-Heinz Strauss und drei weitere Partner teilen. Im AIM-Beirat finden sich klingende Namen wie Porsche-Mitbesitzer Hans Michael Piëch und Ex-OMV-Boss Richard Schenz.
Frühere Bemühungen der AIM, in den Papierhandel einzusteigen, schlugen fehl. Als kürzlich der Filialist Pagro zum Verkauf stand, erhielt Libro-Eigentümer Josef Taus den Zuschlag. "Pagro wäre uns ohnedies zu teuer gewesen", erklärt AIM-Geschäftsführer Strauss, "wir haben lieber in unsere eigene Schiene, den Mr. Paper, investiert."
Kein Schnickschnack wie bei Libro
Vorbild für Mr. Paper ist die US-Kette Office Depot. Strauss zur Strategie: "Bücher und anderen Schnickschnack, den es bei Libro gibt, werden wir nicht führen."
Mit dem offensiven Slogan "Mr. Paper macht Druck" soll den Konkurrenten Libro, Pagro oder Amadeus aber gehörig angeheizt werden. Veit Schalle kündigt an, voll auf die Diskontschiene zu setzen: "Wir werden als Hofer des Papierhandels die Preisführerschaft übernehmen." Dass Schalle sein Handels-Know-how bei Mr. Paper einbringt, ist kein großes Geheimnis. Operativ wird er allerdings nicht tätig: "Ich bin nur einer von fünf AIM-Gesellschaftern. Mr. Paper ist eine reine Finanzbeteiligung für mich." Als Geschäftsführer wird Norbert Fömmer, der Ex-Tarbuk-Manager, fungieren.
Expansion im In- und Ausland
Zwei weitere Läden sind bereits in Vorbereitung. Im kommenden Jahr steht die Expansion in die Bundesländer an. "Danach überlegen wir, in die angrenzenden Ostländer zu gehen", erklärt Strauss.
Ursprünglich war das Ziel der AIM "der Erwerb von kontrollierenden Beteiligungen an größeren österreichischen Unternehmen", vor allem in der Industrie. Der Versuch, beim Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm einzusteigen, schlug fehl. Ein Engagement bei der VA Tech wurde überlegt, aber verworfen. Jetzt wurden Schalle und Co eben im Handel aktiv. "Die Strategie wurde ein bisschen verändert", bestätigt Schenz, "die Gelegenheiten waren halt nicht so üppig."
Krankenhausmanagement Im Oktober
An neuen Projekten arbeitet die AIM bereits. Geplant ist, Anfang Oktober in den Gesundheitsbereich einzusteigen. Spitalsmanagement ist ebenso eine Option wie das Betreiben von noblen Seniorenresidenzen. Eine entsprechende Gesellschaft mit identer Eigentümerstruktur wurde bereits ins Firmenbuch eingetragen: die AIM Synermed Krankenhaus Management GmbH. Die Gründer sind - wie etliche andere Privatunternehmer auch - überzeugt, dass mit Krankenhausmanagement künftig gu-tes Geld zu machen ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gesundheitsreform bald über die politische Bühne geht.
Die ganze Story lesen Sie im aktuellen FORMAT!

