Dienstag, 17. August 2004

Jörg Haiders Verdacht: Telekom Verkauf
"gutes Geschäft für Manager und ÖIAG"

  • Einberufung des FPÖ-Bundesparteivorstandes verlangt
  • Scheuch warnt vor "überhastetem Verkauf" an Swisscom

Nach SP-Chef Gusenbauer und dem ÖGB hat sich nun auch aus Kärnten eine Stimme zum bevorstehenden Telekom Austria-Verkauf gemeldet: Jörg Haider (F) hat sich gegen einen "voreiligen Verkauf" der Telekom ausgesprochen und in diesem Zusammenhang die Einberufung des FPÖ-Bundesparteivorstandes verlangt. Für einen Verkauf bestehe derzeit überhaupt keine Notwendigkeit, da die Telekom sehr wohl in der Lage sei, als eigenständiges Unternehmen auf dem internationalen Markt zu reüssieren, sagte Haider.

Gleichzeitig äußerte der Landeshauptmann den Verdacht, dass "einige Manager von Telekom und ÖIAG ein gutes Geschäft machen wollen". Ebenso vermute er, dass der Aktienkurs künstlich hochgespielt worden sei, "um zu suggerieren, dass mit dem Verkauf an die Swisscom ein gutes Geschäft zu machen ist". In Wirklichkeit habe allerdings die Telekom vor allem in Südosteuropa ausgezeichnete Expansionsmöglichkeiten, während die Swisscom keine Chance auf den internationalen Zukunftsmärkten habe.

Das Beispiel OMV habe laut Haider deutlich gemacht, dass österreichische Unternehmen international sehr gut operieren könnten. "Und das kann eine eigenständige Telekom auch", sagte der Kärntner Landeshauptmann.

Scheuch warnt vor "überhastetem Verkauf
Nach dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) spricht sich auch FPÖ-Generalsekretär Uwe Scheuch gegen einen "überhasteten Verkauf" aus. "Die Telekom ist ein gewinnbringendes österreichisches Vorzeigeunternehmen. Es wäre der falsche Weg, hier mehrheitliche Anteile an den anderen Staatsbetrieb zu verkaufen", so Scheuch.

Die FPÖ bekenne sich zwar weiterhin zu Privatisierungsschritten, bei einem Unternehmen mit "satten Gewinnen" und einer einer Chance auf neue Hoffnungsmärkte in Osteuropa müssen man sich derartige Schritte aber "genau überlegen", appellierte Scheuch an Finanzminister Karl-Heinz Grasser und die Industrieholding ÖIAG. Er fordert, bei der Telekom die Mehrheit in österreichischer Hand zu behalten um sich somit ein Mitspracherecht in wichtigen strategischen Angelegenheiten zu sichern. "Eine Privatisierung ohne wenn und aber ist hier der falsche Weg", vermutet der FP-Generalsekretär.

Auf Haiders Forderung nach einer Einberufung des FPÖ-Bundesparteivorstandes verlangt ging Scheuch jedoch nicht ein. (apa/red)

17.8.2004 15:41