Dienstag, 17. August 2004

Hohe Benzinpreise: Österreicher zahlen pro Tank 7,3 Euro mehr als EU-Schnitt!

  • Autofahrerklubs hoffen Einschreiten Bartensteins
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Österreichs Autofahrer haben in den vergangenen dreieinhalb Monaten an den Benzin-Zapfsäulen im Schnitt um insgesamt 7,3 Euro mehr bezahlt als ihre europäischen Kollegen. Das hat der Autofahrerklub ÖAMTC am Dienstag errechnet. In diesem Zeitraum habe der Preis für Super im Durchschnitt um 2,7 Cent über den EU-Nettopreisen gelegen, als noch ein "Gentlemen's Agreement" zwischen Wirtschaftsministerium und OMV bestand, sei der Differenzbetrag im Schnitt bei 1,9 Cent gelegen.

Beim ARBÖ verweist man darauf, dass zwar die Rohölpreise deftig gestiegen sind, die für den Tankstellenpreis wichtigeren Fertigproduktpreise bei Eurosuper in den vergangenen vier Wochen jedoch um rund zehn Prozent gesunken seien. Dies sei nicht zuletzt die Folge einer Spekulationsblase an den internationalen Märkten, die Energieexperten bereits an die Blase im Internetbereich Anfang des dritten Jahrtausends erinnere, so der ARBÖ.

ÖAMTC und ARBÖ wollen sich daher morgen bei der 4. Spritpreis-Monitoring-Sitzung von Sozialpartnern, Ministerien und Automobilklubs im Sozialministerium einmal mehr für eine Studie aussprechen, die klären soll, ob die Argumente der Mineralölwirtschaft für einen österreichischen Preis über dem Durchschnitt der EU-15 gerechtfertigt seien. Die Mineralölvertreter begründen das teurere Tanken unter anderem mit der hohen Tankstellendichte und der gebirgigen Lage Österreichs. Die Automobilklubs hingegen wollen überprüft wissen, ob diese und andere Argumente noch der momentanen Marktlage sowie dem Gewerberecht entsprechen.

Auftraggeber für die Studie müsste demnach Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) sein - die Klubs hoffen, dass der Studienauftrag in den nächsten Wochen erfolgt. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) hatte beim Auslaufen des "Gentlemen`s Agreement" im April 2004 gemeint, dass sich durch die Kräfte des Marktes der Preisunterschied gegen null bewegen werde - vergangene Woche erreichte die Schere zwischen Österreich- und EU-Preis mit 3,8 Cent Netto-Preisunterschied den Höhepunkt.

Für die Arbeiterkammer (AK) ist nun der Wirtschaftsminister gefragt, eine Absinken der Netto-Spritpreise "zunächst auf maximal zwei Cent über den EU-Durchschnitt und in genau definierten Schritten in absehbarer Zeit auf das EU-Durchschnittsniveau" zu erreichen - wenn nötig, durch ein Preisverfahren. "Dass eine Spritpreis-Senkung drin ist, zeigt auch der heute veröffentlichte Halbjahresgewinn der OMV", so die AK in einer Pressemitteilung.

Etwas moderater stellt sich nach ÖAMTC-Berechnungen die Entwicklung beim Diesel dar, wodurch die Österreicher in den dreieinhalb Monaten seit Ende des Gentlemen`s Agreements um drei Euro mehr bezahlt hätten als ihre EU-Kollegen. Von Jahresbeginn bis heute lag der Österreich-Nettopreis pro Liter im Durchschnitt demnach um 1,4 Cent höher als in den EU-15. Vor dem Gipfel waren es 1,6 Cent, danach 1,3 Cent.

Beim Monitoring-Treffen soll auch die von Sozialminister Herber Haupt (F) eingebrachte Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission wegen vermuteter Preisabsprachen am heimischen Spritmarkt behandelt werden. Man habe zwar noch keine Beweise gefunden, die Indizien würden aber den Verdacht auf Preisabsprachen nahelegen, erklärte der Konsumentenschutzsektionschef des Ministeriums, Arnulf Komposch, Ende vergangener Woche. (apa)

17.8.2004 12:48