Teilverkauf der Telekom Austria steht unmittelbar bevor: ÖIAG tagt am Sonntag
- Gewerkschaft droht mit Streik gegen Komplettverkauf
- Betriebsratschef fordert Grasser zu Stellungnahme auf
Nach mehrtägigen Spekulationen über einen bevorstehenden Verkauf der Telekom Austria an die Swisscom hat die Staatsholding ÖIAG Gespräche mit den Schweizern bestätigt. Die Post- und Telekom-Gewerkschaft reagiert mit heftigem Protest auf einen möglichen Komplettverkauf. Betriebsratschef Michael Kolek droht indirekt mit Streik, sollte sich der Staat von sämtlichen Anteilen trennen.
Die ÖIAG prüfe derzeit zwei Varianten: Auf der einen Seite den vom Aufsichtsrat bereits grundsätzlich genehmigten Verkaufs eines 17 Prozent-Anteils über die Börse, zum anderen "eine industrielle Lösung gemeinsam mit einem strategischen Partner". Diesbezüglich seien Gespräche mit der Swisscom AG geführt worden, erklärte ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel in einer schriftlichen Stellungnahme.
Bei der überraschend einberufenen Aufsichtsratssitzung kommenden Sonntag solle das Kontrollgremium "über die Grundzüge einer allfälligen strategischen Lösung mit Swisscom sowie über den aktuellen Stand der Evaluierung der beiden Optionen" informiert werden. Details könne die ÖIAG davor nicht nennen, so Heinzel.
Generell betonte der Aufsichtsratsvorsitzende der Staatsholding, dass sich die ÖIAG an die Vorgaben des Privatisierungsauftrags halte und "die Wahrung österreichischer Interessen in jedem Fall die Leitlinie aller Entscheidungen der ÖIAG" sein werde.
Der Telekom-Betriebsratschef spricht von einer "rein politisch gesteuerten Aktion". Mit dem Geld, das durch den Verkauf hereinkommt, wolle Grasser nur das Budget sanieren, sagte Kolek nach Bekanntwerden des Aufsichtsratstermins im Gespräch mit der APA. Die Rede war zuletzt von 3,2 bis 3,4 Mrd. Euro für den gesamten verbliebenen Staatsanteil von 42,2 Prozent (exklusive Wandelanleihe).
Zustimmen will die Gewerkschaft weiteren Verkäufen nur, wenn der Staatsanteil an der Telekom nicht unter die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie sinkt. "Mit dem Verkauf von 17 Prozent ist die Schmerzgrenze erreicht. Wenn jemand glaubt, dass er in zwei Wochen die ganze Telekom verkaufen kann, werden wir sicher bis zum äußersten gehen", drohte Kolek. Die nötigen Beschlüsse seien bereits gefasst, der ÖGB stehe "mit voller Solidarität" hinter der Telekom-Gewerkschaft.
Dem Finanzminister wirft Kolek eine "suspekte Vorgehensweise" vor. "Wenn er etwas vor hat, soll er offenlegen", meint der Gewerkschafter. Grasser habe in einem Schreiben aus dem Jahr 2000 ausdrücklich Gespräche mit der Personalvertretung zugesichert, wenn weitere Anteile der Telekom Austria verkauft würden. Sollte Grasser sich nicht daran halten, will der Betriebsrat aus Protest demnächst eine "Urabstimmung" unter der Belegschaft abhalten.
(apa/red)

