Montag, 16. August 2004

50-Dollar-Marke im Visier: Ölpreis macht der Bundesbank Sorgen

  • Rasanter Anstieg könnte Konjunkturmotor abwürgen

Die Deutsche Bundesbank sieht "ernsthafte Risiken" für die weitere Konjunkturerholung in Deutschland, falls der Ölpreis weiter in Richtung 50 Dollar steigt. Von dem bisher erreichten Ölpreisniveau gehe aber noch keine Gefahr für das Wirtschaftswachstum aus, erklärte die Bundesbank.Auf dem Ölmarkt geht es unterdessen weiter turbulent zu: Zunächst sorgte die Hoffnung auf eine Beruhigung der politischen Lage im OPEC-Staat Venezuela für einen leichten Rückgang des Ölpreises, doch schon am Montagnachmittag zog er nach Berichten über neue Kämpfe im Irak wieder an.

Nach Ansicht der Bundesbank sind die meisten Konjunkturprognosen bereits vor der jüngsten Zuspitzung von einem relativ hohen Ölpreis in diesem und im nächsten Jahr ausgegangen. Mit Blick auf Inflationsrisiken durch den hohen Ölpreis rief die Bundesbank die Gewerkschaften zur "Zurückhaltung auf der Lohnseite" auf, damit sich die Preisspirale nicht noch schneller dreht. Insgesamt sei der konjunkturelle Erholungsprozess in Deutschland weiter intakt.

Möglicherweise müssen demnächst auch die Bahnkunden wegen des Anstiegs der Energiekosten mehr für ihre Fahrkarten hinblättern. Vorstandschef Hartmut Mehdorn erklärte in Berlin, er wolle zwar "heute keine neue Preiserhöhung ankündigen". Aber die überproportionale Entwicklung der Energiepreise "macht auch bei uns neues Nachdenken notwendig".

Der Ölpreis ging am Montag nach mehreren Tagen des Anstiegs zunächst leicht zurück. Auslöser für das vorübergehende Sinken auf 46,45 Dollar (37,65 Euro) pro Barrel in New York war die Volksabstimmung in Venezuela, die Präsident Hugo Chavez gewonnen hatte. Das linderte die Sorgen vor Unruhen in dem Land, die die Ölproduktion hätten gefährden können. Die Lage im Irak und das Thema Yukos sorgen aber weiterhin für Nervosität auf den Ölmärkten. In London stieg der Preis für die Sorte Brent zeitweilig auf über 44 Dollar, ging dann aber wieder rauf 43,70 Dollar zurück.

Vor dem Venezuela-Ergebnis waren am Montagmorgen im außerbörslichen Handel in New York bereits 46,90 Dollar für die Sorte WTI bezahlt worden, nachdem am Freitag zu Handelsschluss ein Endpreis von 46,58 Dollar festgestellt worden war. "Es gibt eine reelle Chance, dass wir 47 oder 48 Dollar diese Woche sehen. Der Markt wird offenbar wie ein Magnet in Richtung 50 Dollar gezogen", sagte der Präsident der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft PDVSA, Ali Rodriguez.

Der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), der indonesische Ölminister Purnomo Yusgiantoro, wies erneut darauf hin, dass die hohen Ölpreise nicht auf einen Nachfrageüberhang zurückzuführen seien. Tatsächlich sei das Angebot 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag größer als die Nachfrage, erklärte er.

Als ein Grund für die hohen Preise gilt weiter, dass spekulative Käufer am Markt sind. Sie erwarten, dass politische Probleme wie etwa Kämpfe im Irak, Unruhen in Venezuela oder der Streit zwischen dem russischen Staat und dem Ölgiganten Yukos Ängste vor Produktionsausfällen schüren. Dann würde der Ölpreis weiter steigen und die Spekulation aufgehen.(apa/red)

16.8.2004 17:27