Weißrussin Nesterenko triumphiert: Top-Sensation beim 100m-Sprint der Frauen
- Nobody siegt vor US-Amerikanerin Williams
- Carolina Klüft krönt sich zur "Königin der Leichtathleten"
Die Weißrussin Julija Nesterenko hat sensationell Olympia-Gold über 100 m geholt. Die 25-jährige Hallen-WM-Dritte von Budapest, die im Vorjahr noch ein absoluter Nobody im Sprint war, triumphierte vor 60.000 Zuschauern im Olympiastadion von Athen bei minimalem Gegenwind von 0,1 Metern pro Sekunde in 10,93 Sekunden vor der erst 20-jährigen Lauryn Williams (10,96) aus den USA und der Jamaikanerin Veronica Campbell (10,97). "Ich habe immer an mich geglaubt und bin überglücklich", stammelte die Überraschungssiegerin nach ihrem Gold-Coup.
Nesterenko profitierte vor allem von den zahlreichen Dopingaffären in diesem Jahr, die gleich vier harten Konkurrentinnen zum Verhängnis wurden. Die Olympiasiegerin von Sydney 2000, die in die BALCO-Affäre verwickelte Marion Jones, scheiterte bei den US-Trials und rückte auch nicht für die wegen einer Doping-Sperre in Athen fehlende US-Landsfrau Torri Edwards nach. Edwards hatte nach der Dopingsperre ihrer Teamkollegin Kelli White WM-Gold "geerbt". Und die griechische Europameisterin Ekaterini Thanou hatte nach gleich drei versäumten Dopingtests und dem Ausschluss durch ihr NOK bei den Heimspielen gefehlt.
Auf Grund dieser Dopinginflation durfte sich die 1,73 m große und 60 kg schwere Nesterenko als erste weiße 100-m-Olympiasiegerin seit Ludmila Kondratjewa feiern lassen. Die Sowjetrussin hatte 1980 bei den "Boykottspielen" in Moskau in 11,06 Sekunden triumphiert. Danach hatten mit Evelyn Ashford (1984 in Los Angeles), Florence Griffith-Joyner (1988 in Seoul), Gail Devers (1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta) und Jones nur noch Afroamerikanerinnen Olympia-Gold im Kurzsprint geholt. Devers schied diesmal ebenso wie Frankreichs Europarekordlerin Christine Arron und die bereits 44-jährige Merlene Ottey (SLO) schon im Halbfinale aus.
Klüft holt sich den Siebenkampf
Zur "Königin der Leichtathleten" krönte sich Carolina Klüft. Nach ihren souveränen Titeln bei der EM 2002 in München und WM 2003 in Paris dominierte die 21-jährige Schwedin auch den olympischen Siebenkampf. Vor den Augen von König Karl Gustaf und Königin Silvia von Schweden sammelte sie 6.952 Punkte und triumphierte erneut überlegen. Silber und Bronze gewannen mit mehr als 500 Zählern Rückstand Austra Skujyte aus Litauen (6.435) und die Britin Kelly Sotherton (6424), während die britische Olympiasiegerin von 2000, Denise Lewis, den Wettkampf nach dem Weitsprung schon vorzeitig beendet hatte.
Den angepeilten Europarekord von 7.007 Punkten, den die Russin Larissa Nikitina am 11. Juni 1989 in Bryansk aufgestellt hatte, verpasste Klüft jedoch erneut. Die blonde Skandinavierin war nämlich am Freitag nicht optimal in den Medaillenkampf gestartet. Nicht nur die 13,21 Sekunden über 100 m Hürden ärgerten die Philosophie-Studentin, sondern auch die 1,91 m im Hochsprung und die 23,27 Sekunden über 200 m. Nur im Kugelstoßen erzielte sie am ersten Tag mit 14,77 m persönliche Bestleistung.
Tag zwei ließ aber für Klüft, die in den vergangenen drei Jahren keinen Siebenkampf verloren hat, keine Wünsche offen. Im Weitsprung wusste die Götzis-Gewinnerin mit 6,78 m genauso zu überzeugen wie mit dem Speer (48,89 m) und war damit schon uneinholbar davon geeilt. Vor dem abschließenden 800-m-Lauf hatte sie bereits 6.047 Punkte auf dem Konto und hätte eine Zeit um 2:10 laufen, um den 15 Jahre alten Europarekord von Nikitina zu brechen. Mit 2:14,15 verpasste sie diesen aber am Ende um 55 Zähler.
Diskuswerfen an Sadowa
In der dritten Entscheidung des Tages, dem Diskuswerfen der Frauen, siegte die Russin Natalja Sadowa mit 67,02 m vor der Griechin Anastasia Kelesidou (66,68) und der Weißrussin Irina Jatschenko (66,17). Stacy Dragila musste dagegen ihre Goldträume bereits in der Stabhoch-Qualifikation begraben. Die US-Amerikanerin, vor vier Jahren in Sydney die erste Olympiasiegerin in dieser noch jungen Frauen-Disziplin, scheiterte nach übersprungenen 4,30 drei Mal an 4,40, die zum Finalaufstieg notwendig gewesen wären. (apa/red)
