Montag, 16. August 2004

Markus Rogan: In 15 Jahren vom Bade-Urlaub in den Schwimm-Olymp

  • Rogan in vergangenen eineinhalb Jahrzehnten zur sportlichen und

Markus Rogan gehen die Superlative offenbar nicht aus. In regelmäßigen Abständen hat der 22-Jährige in den vergangenen drei Jahren sportliche Höhepunkte in Serie gesetzt, vom WM-Silber 2001 bis zum jetzigen Olympia-Silber über 100 m Rücken. Mit der ersten Medaille eines österreichischen Schwimmers im Zeichen der fünf Ringe seit 92 Jahren hat er aber einen Schritt gemacht, der in seiner Dimension mit den bisherigen nicht zu vergleichen ist. Ab nun gehört der Wiener in der Weltsportart Schwimmen absolut zur internationalen Champions League.

Noch vor nicht einmal vier Jahren deutete kaum etwas auf diese Entwicklung hin. Bei den Spielen in Sydney 2000 war er baden gegangen, weil seine Selbsteinschätzung mit seinem Können nicht mithalten konnte. Erstmals ahnte er, aus welchem Holz die ganz Großen des Sports geschnitzt sein müssen. Von da an begann sein persönlicher Vierjahresplan zu laufen, in der Ausbildung und im Sport. Teil eins schloss Rogan im Juni an der Stanford-Universität ab, Teil zwei nun im "Olympic Aquatic Center" von Athen.

Seine Mission bei seinen zweiten Spielen ist aber noch nicht erfüllt, stehen seine favorisierten 200 m Rücken doch noch aus. Schafft er da das Medaillen-Double - die Wahrscheinlichkeit dafür ist nach der jetzigen Leistung gestiegen -, würde er endgültig in die Riege der österreichischen Sport-Heroen aufsteigen. Ein Umstieg ins Berufsleben schon nach den Wiener Kurzbahn-Europameisterschaften im Dezember kann dann kein Thema mehr sein. Bisher hat er sich diesbezüglich ja noch nicht offiziell festgelegt.

Rogan ist für den österreichischen Sport und seine Jugend unverzichtbar geworden, als sportliches und menschliches Vorbild. Seine Einstellung zum Training ist "bombastisch", wie es sein Trainer Robert Michlmayr gerne ausdrückt. Bei seinem achtjährigen Aufenthalt in den USA hat der Kurzbahn-Europarekordler gelernt, das Optimum aus seinen Möglichkeiten heraus zu holen. Und seine Qualitäten als Mensch haben eine Güte, die keinen Zweifel an seiner guten Erziehung und seinem Willen zulassen, daraus das Beste zu machen.

Der Doppel-Europameister hat auch immer wieder eine nette Geste, ein anerkennendes Wort über - besonders für Teamkollegen. Nachdem er etwa in Athen im 100-m-Rücken-Semifinale eben seinen nationalen Rekord verbessert hatte und in den Endlauf eingezogen war, war es ihm in den ersten Interviews fast das Wichtigste darauf hinzuweisen, dass man trotz seiner Leistung den Wiener Lukas Ostermaier nicht vergessen sollte. Der EM-Neunte hatte bei den Staatsmeisterschaften in der Lagen-Staffel eine schnellere Rückenzeit als Rogan.

In diesem Sommer feiert der Vize-Weltmeister von 2001 sozusagen sein 15-jähriges Schwimm-Jubiläum, es begann während eines Familienurlaubs in Tunesien. Nach zehn Jahren ASV Wien kam Rogan über SV Schwechat zu Michlmayr, mit dem er nach seiner heurigen Rückkehr aus den Staaten nun ständig zusammen arbeitet. Der Coach hat schon Trainingspläne für die Zeit bis zur WM 2005 in Montreal im Kopf. Es wäre schön, wenn Rogan sich nicht nur für dieses 16., sondern für einige Jahre mehr zum Weitermachen entscheidet.


(apa/red)

16.8.2004 19:22