Teamchef Krankl: "Wille und Herz waren da, aber diese Tugenden sind zuwenig!"
- Selbstvertrauen sei vor WM-Quali "nicht gestiegen"
- Im Hinblick auf 4. September: "Engländer noch stärker!"
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Für Jürgen Klinsmann war es ein erfolgreiches Debüt als deutscher Bundestrainer, für seinen österreichischen Kollegen Hans Krankl eine verpatzte Generalprobe. Mit dem 1:3 gegen den Vize-Weltmeister gab es für den Jubilar ÖFB kein sportliches Präsent zum 100. Geburtstag. Österreichs Teamchef machte am Donnerstag aus seinem Herzen keine Mördergrube und gab unumwunden zu: "Am Tag nach Niederlagen geht's mir immer schlecht!" Auch sein eigenes Selbstvertrauen im Hinblick auf den bevor stehenden Auftakt der WM-Qualifikation sei natürlich nicht gestiegen.
Ein solches hatte er sich gegen den großen Bruder und Nachbarn vor dem Treffen mit den "noch stärkeren Engländern" am 4. September ebenfalls im Wiener Happel-Stadion für seine Truppe so sehr gewünscht. "Wenn man verliert, darf man nicht zufrieden sein. Kampf, Wille, Begeisterung und Herz waren da, aber diese Grundtugenden sind zu wenig." Das Resultat, die Nominierung von Tormann Thomas Mandl, die Abwehr und das Spiel nach vorne passten an diesem heißschwülen Abend, der eine Geburtsparty in Rot-Weiß-Rot hätte werden sollen, nicht.
Innenverteidigung "nicht so schlecht gewesen"
Die Innenverteidigung wäre nicht sehr gut, aber keinesfalls so schlecht gewesen wie sie viele gesehen hätten. "Nach dem kurzfristigen Ausfall von Emanuel Pogatetz hat wieder nicht die Formation gespielt, die ich mir vorstelle. Diese Fehler darf man trotzdem nicht machen", meinte Krankl, der neben den Torhüter-Sorgen noch andere Probleme auf sich zukommen sieht. Pogatetz, der beim Aufwärmen im Zweikampf mit Amerhauser nach erster GAK-Diganose einen Bändereinriss im Bereich der rechten Schulter erlitten hat, droht auszufallen und Markus Schopp ist gegen England gesperrt.
Deutsche "solide, aber nicht überragend"
Als Alternativen im äußersten rechten Mittelfeld nennt der Wiener Kirchler und Standfest. Das Offensiv-Spiel gegen "keineswegs überragende, aber solide Deutsche" habe deshalb nicht so gut geklappt, weil das österreichische Mittelfeld "sehr viel Defensiv-Arbeit verrichten musste." Einige Aktionen vor allem in der ersten Hälfte auf der linken Seite über Ehrentorschütze Martin Amerhauser und Andreas Ivanschitz, die in 1:1-Duellen stark gewesen wären, haben dem Teamchef gut gefallen.
Kühbauer-Comeback: "Respekt!"
Ebenso froh war er über die Leistung von Team-Heimkehrer Didi Kühbauer. "Ich bin mit ihm zufrieden, Respekt", sagte Krankl. "Optisch waren die Deutschen zwar überlegen, aber ein Offensiv-Feuerwerk haben sie nicht abgefeuert und sie hatten auch nicht so viele Chancen", meinte der Burgenländer. Im ÖFB-Team habe man gute Ansätze gesehen. "Gegen die Engländer müssen wir uns alle steigern, ein Schäuferl nachlegen und positiv denken."
"Kein Glück gegen die Deutschen gehabt"
Auf das Glück baut Krankl seine Hoffnung nicht auf. Wie wohl man in gewissen Phasen Fortune benötige, das gelte für kleine wie für große Teams. "Das haben wir gegen die Deutschen nicht gehabt", sagte Johann K. Er erinnert dabei an zwei spezielle Szenen. Als Kollmann das 2:2 vor den Beinen hatte und Mandl seinen Patzer vor dem 1:3 fabrizierte. Im Sturm denkt Krankl an Mario Hass ("er ist immer ein Thema, hat mich im Team nie enttäuscht") und eventuell Christian Mayrleb.
Zuschauer sind Hoffnungsschimmer gegen England
Neben allen negativen Erkenntnissen, die der Teamchef aus dem misslungenen Test für den Ernstfall WM-Ausscheidung gewonnen hat, sah er auch Pluspunkte im Hinblick auf die große und schwere Aufgabe. "Römisch Eins für das Publikum, das bis zum Schluss begeistert mitging. Die Zuschauer sind ein Hoffnungsstrahl, eine echter Heimvorteil", lobte der Wiener. Das Aufgebot für England und Aserbaidschan (8.9.) wird Krankl am kommenden Donnerstag bekannt geben. Er möchte 22 Mann inklusive drei Torleute einberufen. Und vor allem nach taktischen Vorgaben im Training ein paar Tage die Abwehr mit dem Mittelfeld wettkampfähnlich miteinander spielen lassen. (apa)
