Montag, 16. August 2004

Teamchef Krankl: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken oder Angst haben!"

  • Hoffnung auf eine positive WM-Quali-Generalprobe
  • "Große Möglichkeit, die Deutschen zu schlagen"

Es ist ein schöner Rahmen, der letzte Test vor England, der ÖFB feiert seinen 100. Geburtstag, das Happel-Stadion wird voll sein und der Gegner passt auch. Teamchef Hans Krankl und seine Schützlinge freuen sich schon auf das prestigeträchtige Fußball-Länderspiel am Mittwoch gegen Vizeweltmeister Deutschland. "Dementsprechend wird sich meine Mannschaft präsentieren, ich hoffe auf eine positive Generalprobe für den Auftakt der WM-Qualifikation am 4. September ", sagte Krankl am Montag.

"Wir brauchen uns nicht zu verstecken oder Angst haben, auch nicht vor den Engländern." Denn wenn das der Fall sei, dann würde man auch nichts reißen. "Man darf nicht in ein Spiel gehen, in dem man mit einem 1:2 zufrieden wäre", so der Wiener, der von der Einstellung seiner Schützlinge richtig entzückt ist. "Eine so große Möglichkeit, die Deutschen zu schlagen, wird es lange nicht mehr geben", glaubt etwa Stuttgarter-Legionär Martin Stranzl, der sich topfit fühlt, weil er die Vorbereitung ohne Verletzung überstand.

Der Abwehrspieler berichtete von einigen seiner Klubkollegen, dass sie Österreich nicht so ernst nehmen würden. "Unser Fußball ist dort nicht so angesehen, wir werden als krasse Außenseiter eingestuft. Aber unsere Liga dauert schon länger, in Deutschland hat sie erst begonnen und teilweise haben einige noch nicht so oft gespielt. Die Chance ist da, dass wir etwas reißen, einen Punkt holen oder vielleicht sogar gewinnen", so Stranzl.

Der "Franzose" Roland Linz von OGC Nizza fügte frech hinzu: "Die Deutschen sind nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren." Nur der Bemerkung des Stürmers, wonach die deutsche etwas das gleiche Niveau wie die österreichische Bundesliga besitze, stimmte Krankl nicht zu. Und Didi Kühbauer, der nach fast drei Jahren ein Team-Comeback gibt, spricht zwar von deutschen Problemen, fügte aber hinzu: "Dass sie trotzdem Favorit sind, doch wir wollen ein positives Resultat, ob's dann ein Sieg wird, liegt an uns, wir werden alles probieren."

Die Meinungsverschiedenheiten mit Krankl, dem Kühbauer vor etwa einem Jahr noch abgesagt hatte, sind vom Tisch. "Ich schied damals wegen einer Verletzung aus. Was war, interessiert keinen Menschen mehr, das ist vom Tisch. Es gibt keine Probleme zwischen uns. Nun müssen wir alle an einem Strang ziehen", stellt sich der Burgenländer, der immer für Sprüche gut ist, in den Dienst der ganzen Mannschaft.

Zwei Tage vor dem Spiel überlegt der Teamchef die Taktik, die er so ähnlich wie gegen England anlegen müsse. "Entweder spielen wir mit einem 4-4-2- oder einem 4-5-1-System, mit zwei oder eineinhalb Spitzen. Diese zwei Varianten sind am besten für uns", so der 51-Jährige, der sich auch noch nicht entschieden hat, wer im Tor beginnen wird. Die Frage lautet: Mandl oder Schranz? Die Taktik ist für Krankl aber nicht von eminenter Bedeutung.

Vielmehr ist es die taktische Disziplin in der Rückwärtsbewegung. "Es entscheiden noch immer Menschen, kreative Aktionen und die Tore", sagt Krankl, der auch von Spezialbewachungen nichts hält. "Bewacht werden müssen Botschaften, im Fußball gibt es das nicht mehr, es wäre ein Rückschritt, wir praktizieren die moderne Raumdeckung." Dass gegen den Erzrivalen auch stets die Emotionen mitspielen, ist ihm klar. "Im Fußball kann es davon nicht genug geben, so lange sie positiv sind, muss ich sie nicht dämpfen."

Krankl musste noch eine unfreiwillige Änderung in seinem 20-Mann-Kader vornehmen. Kiesenebner, der sich am Sonntag im Spiel der Austria gegen Wacker Tirol eine Bänderdehnung im Knöchel zugezogen hatte, wurde nach einer Untersuchung durch den ÖFB-Arzt entlassen. "Er wird wahrscheinlich auch am Wochenende in der Liga passen müssen", glaubt der Teamchef, der den Rapidler Katzer nachnominiert hat. (apa)


16.8.2004 14:12