Kult-Schiri Pierluigi Collina pfeift Ländermatch Österreich-Deutschland
- Aus Altersgründen letztes Jahr des Italieners
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Pierluigi Collina lässt heute ab 20.45 Uhr (live ORF 1) im Happel-Stadion den Jubilar und den Gratulanten nach seiner Pfeife tanzen. Es ist vielleicht der letzte Auftritt des Italieners in Österreich. Im nächsten Jahr muss er nämlich aus Altersgründen als Schiedsrichter von der internationalen Bühne abtreten.
Der 44-Jährige, der in Bologna geboren wurde, in Viareggio mit seiner Gattin Gianna und seinen zwei Töchtern lebt, jagte während seiner Jugend selbst dem Fußball hinterher. Meist versuchte er sich als Libero und war dabei gar nicht zimperlich, alles andere als ein Waserl. "Als letzter Mann habe ich Fouls begangen, Rote Karten waren da normal", gestand der Glatzkopf, der als Unparteiischer seit Olympia 1996 in Atlanta kein großes Turnier versäumt hat und auch deshalb so gut ist, weil er den Sport selbst einmal betrieben hat und daher alle Mätzchen Profis kennt.
Aber es waren letztlich nicht die Gegner oder seine Ausschlüsse, die ihn früh vor der aktiven Kickerei resignieren ließen, sondern einzig und allein seine Beine, die nicht mehr so mitspielten. "Heute spiele ich nur mehr mit meinen Kollegen und Prominenten für gute Zwecke", erzählt der Basketball-Fan, der gelegentlich auch selbst gerne Körbe verteilt. Einen solchen gab Collina nicht einem Freund. Dieser, wie er früher ein Bankangestellter, wies ihn nämlich auf einen Schiri-Kurs hin.
Und der damals 17-Jährige machte auch auf der anderen Seite des Fußballs von Beginn an gute Figur. Innerhalb von nur drei Jahren hatte Collina das regionale Niveau erreicht. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch sein bisher einziger Spielabbruch. "Damals haben Zuschauer den Rasen gestürmt", erinnert sich der Referee, der auch während seiner Militärzeit für Schlagzeilen sorgte. Für das Pfeifen riskierte er viel.
Als italienischer Soldat leitete er inkognito und trotz einer Meniskusverletzung einmal ein Spiel. Eine Zeitung erwähnte in ihrem Bericht den Namen Collina und als Strafe musste der Rekrut in die Küche zum Kartoffel schälen. Aber nicht durch seine Eskapaden, sondern durch seine Kompetenz machte er Karriere. "Die Glatze förderte den Bekanntheitsgrad, aber ich hoffe, das Produkt stimmt", sagt der Azzurro, dem seit seinem 24. Lebensjahr wegen der Stoffwechsel-Krankheit namens Alopezie keine Haare wachsen.
Unter nationalen und internationalen Spielern, Trainern, Funktionären, Zuschauern besitzt Collina den besten Ruf und auch seine österreichischen Kollegen loben den fünffachen Welt-Referee des Jahres (als Erster in Serie) in höchsten Tönen. "Er ist seriös, ein angenehmer Kumpel, ein Typ, der einen eigenen Weg gegangen ist", meint etwa Günther Benko und Konrad Plautz sagt: "Er ist eine Kultfigur. Er ist eine Art Fußball-Gott unter den Schiedsrichtern, wie es ihn wohl nie mehr geben wird." (apa)
