Sonntag, 22. August 2004

Dramatische Lage in Nepal: Maoistische Rebellen überfallen Bergdorf

  • Hauptstadt Kathmandu von Aufständischen blockiert - Lebensmittel werden knapp

Maoistische Rebellen haben in der Nacht auf Sonntag ein Bergdorf im Nordwesten von Nepal überfallen und dabei mindestens einen Regierungssoldaten getötet. Auf mehrere Verwaltungsgebäude einschließlich der örtlichen Polizeiwache wurden Sprengsätze geworfen, wie die Behörden des Himalaya-Königreichs mitteilte. Fünf Polizisten wurden als vermisst gemeldet. Es wurde befürchtet, dass sie als Geiseln genommen wurden.

Nach Behördenangaben umstellten hunderte Kämpfer gegen Mitternacht Ortszeit das Dorf Khalanga, rund 600 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Der Flugplatz der Ortschaft wurde geschlossen, das lokale Kommunikationssystem ausgeschaltet. Aus dem Schlaf gerüttelte Soldaten verfolgten die Angreifer später über die steilen Bergwege. Aus Kampfhubschraubern wurden Schüsse auf die Flüchtenden abgefeuert.

Kathmandu weiter blockiert
Die nepalesische Hauptstadt Kathmandu wurde am Wochenende weiter von Aufständischen blockiert, die damit inhaftierte Gesinnungsgenossen freipressen wollten. Frische Lebensmittel wurden immer knapper. Erstmals seit Beginn ihrer Blockadeaktion am Mittwoch erlaubten die Maoisten am Samstag ein Dutzend Lebensmitteltransporte aus dem Umland in die Hauptstadt. Auch einige der festsitzenden ausländischen Touristen durften in den Urlaubsort Pokhara weiterreisen. Soldaten eskortierten zwei Dutzend Busse mit Urlaubern und anderen Reisenden aus der Hauptstadt heraus, wie die Polizei berichtete. Kathmandu verfügt über keinen Bahnanschluss, Flüge können sich nur wenige Einheimische leisten.

Die nepalesischen Maoisten wollen mit ihrer Blockade die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen erzwingen. Die Regierung von Ministerpräsident Sher Bahadur Deuba hat sich bisher nicht zu den Forderungen geäußert. Der bewaffnete Konflikt zwischen Sicherheitskräften und maoistischen Rebellen in dem Königreich kostete seit 1996 mehr als 10.000 Menschen das Leben. Im Jänner 2003 war auf Initiative von König Gyanendra ein Friedensabkommen erzielt worden, das jedoch nicht hielt. Die Rebellen forderten allgemeine Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung und lehnten die angebotene Entsendung eigener Vertreter in eine Übergangsregierung ab.(apa/red)

22.8.2004 16:58