Sonntag, 22. August 2004

Nach Überfall auf Munch-Museum in Oslo: Noch keine heiße Spur - Angst um Gemälde

  • "Der Schrei" & "Die Madonna" geklaut: Nicht versichert!
  • Plus BILDER: Die dreisten Diebe auf der Flucht!

Auch in der Nacht auf Montag haben massive Polizeikräfte in Norwegen die flüchtigen Räuber der weltberühmten Gemälde "Der Schrei" und "Madonna" von Edvard Munch gejagt. Alle Grenzübergänge zu den skandinavischen Nachbarländern wurden streng überwacht. Der Chef des Munch-Museums, Ginnar Srensen, sagte am Sonntagabend: "Wir wissen absolut nichts über den Zustand der beiden Bilder".

Bisher konnten das Fluchtauto der Räuber sowie die Bilderrahmen gefunden werden. Die Ermittler erhoffen sich wichtige Erkenntnisse von den Aufnahmen der Überwachungskameras im Osloer Munch-Museum sowie der Auswertung der zahlreichen Zeugenaussagen. Aber auch dies dürfte schwer werden: Die Täter hatten bei ihrem Coup Masken getragen.

Sorge um Zustand der Gemälde
Srensen äußerte die Befürchtung, dass beide Bilder durch die "brutale Behandlung" bei dem Raubüberfall zerstört sein könnten. Srensen meinte weiter: "Im Leben eines Museumsmannes ist das eine Tragödie. Viele Menschen kommen zu uns, um genau diese beiden Bilder anzusehen. Das sind Kunstwerke, die der ganzen Menschheit gehören".

Am Sonntagvormittag waren zwei der maskierten Täter in das Museum gestürmt, hatten einer Wärterin eine Pistole an die Stirn gehalten und die Bilder von der Wand gerissen. Danach flüchteten sie mit einem wartenden Helfer in einem schwarzen Audi.

Unvorstellbarer Wert
Beide gestohlenen Gemälde gelten als unverkäuflich. Allein der Wert des Bildes "Der Schrei" wird in Oslo auf 450 Millionen Kronen (54 Millionen Euro) geschätzt. Das Bild wurde im Jahr 1893 gemalt und gilt als eines der bedeutendsten Gemälde der Kunstgeschichte. Insgesamt hat Munch vier Versionen des berühmten Gemäldes geschaffen. Vor zehn Jahren war bereits eine andere Version gestohlen worden. Sie tauchte später jedoch wieder auf.

Bilder nicht gegen Raub versichert
Die beiden Bilder "Der Schrei" und "Madonna" waren zwar gegen Feuer und Wasserschäden versichert, nicht aber gegen Raub, Diebstahl und Einbruch. Das sagte der geschäftsführende Direktor der stadteigenen Versicherungsgesellschaft Oslo Forsikring, John Öyaas, der Tageszeitung "Dagbladet" (Montagsausgabe).

Zweck von Oslo Forsikring ist es, Versicherungsprämien von kommunalem Eigentum und Anteilen der Stadt möglichst niedrig zu gestalten. Laut Öyaas hat die Stadt Oslo, der auch die beiden Munch-Gemälde gehören, vor einiger Zeit erwogen, die Bilder auch gegen Einbruch und Raub zu versichern, aus Kostengründen aber dagegen entschieden. "Die Bilder sind ja unersetzlich", kommentierte der Versicherungsdirektor die damalige Entscheidung gegenüber "Dagbladet".

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen
In Norwegen ist die Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen des Landes für Kunst laut geworden. Die beiden expressionistischen Meisterwerke "Der Schrei" und "Madonna" aus dem Museum zu entwenden bezeichnete die norwegische Tageszeitung "Aftenposten" als "fast so einfach, wie einen Kiosk auszurauben". Die Zeitung "Dagbladet" schrieb: "Einige unserer nationalen Schätze sind zu gering geschützt." Die beiden Bilder waren nach einem Zeitungsbericht auch nicht gegen Raub oder Diebstahl versichert. (apa/red)

22.8.2004 12:39