Neuer Ministerpräsident gesucht: Sozialisten benennen zwei Kandidaten
- MSZP-Vorstand stimmt für Kiss und Gyurcsany
- Kampfabstimmung am Sonderparteitag
Die regierenden ungarischen Sozialisten (MSZP) haben sich am Samstagabend nicht auf einen Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Peter Medgyessy einigen können. Bei der Abstimmung im Landesparteivorstand erhielt der Regierungskanzlei-Minister Peter Kiss 103 Stimmen, gefolgt von Ex-Sportminister Ferenc Gyurcsany (99) und Finanz-Staatssekretär Janos Veress (31). Wie die Ungarische Nachrichtenagentur MTI weiter berichtet, wurden Kiss und Gyurcsany nominiert, da sie beide mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten haben.
Der Sonderparteitag der Sozialisten am Mittwoch soll in einer Kampfabstimmung über diese beiden Kandidaten entscheiden. MSZP-Chef Laszlo Kovacs hatte am Freitag gesagt, die Partei hätte sich schon auf einen Kandidaten geeinigt, wollte dessen Namen aber nicht verraten. Am Samstag nannte er lediglich den Namen von Kiss, obwohl sich Gyurcsany und vier andere hochrangige Parteivertreter ihr Interesse an dem Amt bekundet hatten.
Kiss (45) und Gyurcsany (43) starteten ihre Karriere im kommunistischen Jugendverband. Während der frühere Arbeitsminister Kiss als Vertreter des linken Parteiflügels gilt und auf die Unterstützung der Gewerkschaften zählen kann, wird dem Unternehmer Gyurcsany größere Breitenwirkung attestiert. Der frühere Wahlkampfmanager von Medgyessy ist einer der reichsten Männer Ungarns.
Die Nominierung eines neuen Ministerpräsidenten wurde notwendig, da Amtsinhaber Medgyessy am Donnerstagabend seinen Rücktritt erklärt hatte, nachdem er das Vertrauen des liberalen Koalitionspartners Bund Freier Demokraten (SZDSZ) verloren hatte. Den Sozialisten steht als der größeren Regierungspartei das Recht auf Nominierung des Premierministers zu. MSZP und SZDSZ haben im 386-köpfigen ungarischen Parlament eine Mehrheit von zehn Mandaten.(apa/red)
