Donnerstag, 19. August 2004

El Salvador: 31 Tote nachdem berüchtigte Bande gewöhnliche Häftlinge attackierte

  • Leichen teilweise bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt
  • 200 Polizei-Spezialkräfte beendeten die Fehde

Bei blutigen Auseinandersetzungen unter Häftlingen sind im größten Gefängnis von El Salvador mindestens 31 Menschen getötet worden. 23 weitere Häftlinge wurden nach Angaben der Behörden bei den Ausschreitungen in dem Gefängnis La Esperanza wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt San Salvador am Mittwoch (Ortszeit) verletzt.

Nach Angaben des salvadorianischen Vize-Ministers für öffentliche Sicherheit, Rodrigo Avila, attackierten Mitglieder der in El Salvador berüchtigten Bande "Mara 18" gewöhnliche Mithäftlinge und lösten den Gewaltexzess aus. Rund 200 Angehörige von Spezialkräften der Polizei beendeten schließlich die Auseinandersetzungen.

Gefängnis glich einem Schlachtfeld
Die Häftlinge gingen mit Messern, Knüppeln und selbst gebauten Sprengsätzen aufeinander los. Als die Sicherheitskräfte eintrafen, glich das Gefängnis einem Schlachtfeld. Die Opfer waren zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. "Manche Häftlinge nutzten die Situation aus und töteten andere aus Rache", sagte der Leiter des salvadorianischen Gefängniswesens, Rodolfo Haray. "Dabei gingen sie auf barbarische Weise vor." Durch den Einsatz der Spezialkräfte sei die Situation nunmehr weitgehend unter Kontrolle. "Wir haben mit den Häftlingen verhandelt, und die meisten haben darin eingewilligt, in ihre Zellen zurückzukehren", sagte Haray.

3.200 Gefangene untergebracht
Die Wärter reihten die blutüberströmten Leichname auf dem Boden des Gefängnisses auf. In schwarzen Leichensäcken wurden sie schließlich ins gerichtsmedizinische Institut von San Salvador überführt. Vor der Haftanstalt warteten zahlreiche Angehörige und versuchten verzweifelt, etwas über das Schicksal ihrer inhaftierten Verwandten zu erfahren. Im Gefängnis "La Esperanza" sind etwa 3.200 Gefangene untergebracht. "Mara 18" gilt als eine der gewalttätigsten Banden des zentralamerikanischen Landes.

Haftanstalt war überfüllt
"Es ist etwas sehr Schreckliches geschehen", sagte die salvadorianische Menschenrechtsbeauftragte Beatrice Alamanni. Sie machte unter anderem die Überfüllung des Gefängnisses La Esperanza für die Gewaltexzesse verantwortlich. Zudem sei es unverantwortlich, Bandenmitglieder und gewöhnliche Häftlinge in einem Trakt unterzubringen. (apa)


19.8.2004 07:31