Dienstag, 17. August 2004

Wieder Terroranschlag in Bagdad: Sieben Tote und zahlreiche Verletzte!

  • Kämpfe in Najaf: Friedenmission versucht zu vermitteln
  • PLUS: Irakischer Agent wegen Najaf-Gefechte entführt

Bei dem Anschlag in einem belebten Viertel der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Dienstag nach neuesten Informationen sieben Iraker getötet und 42 weitere Menschen verletzt worden. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al Arabiya am Dienstag unter Berufung auf das Innenministerium. Der Anschlag in der Nähe einer Polizeistation ereignete sich am dritten Sitzungstag der irakischen Nationalkonferenz, der ein Übergangsparlament wählen soll.

Das Ministerium hatte die Explosion zunächst auf einen Autobombenanschlag zurückgeführt, korrigierte diese Angaben jedoch später. Die Detonation in der Al-Rashid-Straße setzte nach offiziellen Berichten ein Gebäude in Brand, mehrere Autos wurden zerstört.

Aufständische hätten ein Geschoss auf die Straße abgefeuert, teilte das Innenministerium mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Zuvor hatte ein Sprecher des Ministeriums noch von einer Autobombe gesprochen. "Es waren viele Menschen an dem Ort, das ist eine Geschäftsstraße (...) Die Opfer werden jetzt in die Krankenhäuser gebracht", sagte er. Augenzeugen hatten ebenfalls berichtet, in der Straße sei eine Autobombe explodiert. Fünf Autos seien zerstört worden.

In der streng abgeschirmten so genannten Grünen Zone im Zentrum Bagdads tagt derzeit die irakische Nationalkonferenz. Sie soll einen Nationalrat aus rund 100 Vertretern ohne Legislativvollmachten bestimmen, der die Übergangsregierung bis zu den im Jänner geplanten allgemeinen Wahlen kontrollieren soll und Regierungsverordnungen mit Zweidrittelmehrheit aufheben kann. Am Sonntag hatten Aufständische die "Grüne Zone" mit mehreren Werfergranaten beschossen und dabei zwei Menschen getötet.

Aus Protest gegen das Wahlverfahren haben am Dienstag Hunderte von Delegierten gedroht, die Versammlung zu verlassen. Unter dem Eindruck von weiteren Anschlagsdrohungen hat die Delegation der Nationalkonferenz ihre Vermittlungsreise in die heilige Schiiten-Stadt Najaf verschoben. Aus Sicherheitsgründen könne kein neuer Reisetermin genannt werden, hieß es. Die Delegation war beauftragt worden, ein Ende der Kämpfe zwischen der Miliz des radikalen Schiiten-Geistlichen Muktada al Sadr und den US-Truppen zu vermitteln.

Der Polizeichef von Najaf hat mit der Erstürmung der Imam-Ali-Moschee gedroht, sollten die dort verschanzten Anhänger von Muktada al Sadr nicht freiwillig die Waffen abgeben und das islamische Heiligtum verlassen. Auch wenn Verhandlungen liefen, müssten die Aufständischen entwaffnet werden und nicht nur die den Schiiten heilige Stätte, sondern auch die Provinz verlassen, sagte Polizeichef Ghalib al Jazairi am Dienstag. Andernfalls "werden wir das Mausoleum erstürmen und alle töten". Im Zentrum von Najaf waren Montag wieder heftige Kämpfe zwischen Sadr-Anhängern und US-Truppen ausgebrochen. Sadr hatte die schiitischen Parteien aufgefordert, die Nationalkonferenz zu verlassen. (apa)

17.8.2004 11:15