Montag, 16. August 2004

Belgischer Kardinal: Gesundheit des Papstes ernsthaft geschwächt

  • "Möglicherweise dem Ende seines Lebens nahe"
  • Vatikan dementiert: Der Papst macht weiter

Der Gesundheitszustand von Papst Johannes Paul II. hat sich den Worten eines belgischen Kardinals zufolge deutlich verschlechtert. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sei möglicherweise dem Ende seines Lebens nahe, sagte Kardinal Godfried Danneels einem Bericht der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws" vom Montag zufolge. Der Vatikan dementiert!

Der 84-jährige Johannes Paul II. leidet an der Parkinson-Krankheit sowie schwerer Arthritis und hatte am Sonntag beim Abschluss seiner Reise in den französischen Wallfahrtsort Lourdes einen sehr geschwächten Eindruck gemacht.

"Wenn der Papst sagt: 'Ich beende hier meine Pilgerreise' kann dies zweierlei bedeuten", sagte der Erzbischof von Brüssel und Mecheln dem Blatt zufolge unter Anspielung auf die Ansprache von Johannes Paul II. in Lourdes. "Und so wurde es zumindest auch von den Menschen dort verstanden. Es klang fast so wie sein Abschied von Lourdes und möglicherweise auch von seinem Leben."

Der Papst spricht häufig nur noch sehr undeutlich und geht zumindest in der Öffentlichkeit nicht mehr zu Fuß. Bereits nach seiner Reise in die Slowakei im September war heftig über seinen Gesundheitszustand spekuliert worden. Damals war er so schwach, dass die meisten seiner Reden und Predigten von Assistenten vorgelesen werden mussten. Kardinal Danneels gilt als einer seiner potenziellen Nachfolger.

Vatikan dementiert
Der Papst werde zweifellos aus Alters- und Krankheitsgründen "immer gebrechlicher", aber er sei fest entschlossen, weiter öffentlich für die Botschaft des Evangeliums einzutreten, hieß es am Montag in Kreisen der römischen Kurie.

Im Vatikan wurde am Montag betont, wer die Worte des Papstes in Lourdes "Ich habe das Ziel meiner Pilgerfahrt erreicht", als "Abschied von dieser Welt" interpretiert habe, werde gezwungen sein, sich zu korrigieren. Johannes Paul II. sei fest entschlossen, in den nächsten Wochen zwei kirchenpolitisch wichtige Termine wahr zu nehmen. Am 25. August wird im römischen Petersdom der Abschiedsgottesdienst für die Kazanskaja-Ikone gefeiert, die der Papst dem Moskauer Patriarchat zurückgeben möchte. Am 5. September wird der Papst mit der Katholischen Aktion Italiens (AC) nach Loreto pilgern und dort AC-Aktivisten selig sprechen. Damit werde die Bedeutung der Katholischen Aktion wieder betont, die in den letzten Jahren im Vergleich zu den neueren "Movimenti" (geistlichen Bewegungen) in den Hintergrund getreten war. (apa/red)

16.8.2004 13:43