Montag, 16. August 2004

Irakische Nationalkonferenz fortgesetzt: Sadr-Boykottaufruf an Schiiten-Parteien!

  • Angeblich westlicher Journalist in Nassiriyah entführt
  • Plus: US-Panzer rücken auf Moschee in Najaf vor

In der irakischen Hauptstadt Bagdad ist am Montag die Nationalkonferenz fortgesetzt worden. Die über 1.000 Delegierten sollen während der auf drei Tage angesetzten, mehrmals verschobenen Tagung einen Nationalrat wählen, der als Übergangsparlament ohne legislative Kompetenzen fungieren soll.

Er soll aber Gesetzesverordnungen der Übergangsregierung mit Zweidrittelmehrheit außer Kraft setzen können. Die Konferenz war am Sonntag unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen eröffnet worden. Der Beginn wurde überschattet von neuen blutigen Kampfhandlungen in der Schiitenstadt Najaf.

Sadr-Boykottaufruf an Schiiten-Parteien
Die Anhänger des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al Sadr haben die schiitischen Parteien aufgefordert, die Nationalkonferenz zu verlassen. Die Dawa-Partei von Vizepräsident Ibrahim al Jaafari und der pro-iranische "Oberste Rat der Islamischen Revolution" (SCIRI) sollten ihre Mitarbeit in dem Gremium unverzüglich einstellen, erklärte der Sadr-Gefolgsmann Scheich Ahmed al Shaibani am Montag in Najaf.

Bombenexplosion in Bakuba
Bei der Explosion einer Bombe am Straßenrand sind in Bakuba nordöstlich von Bagdad drei irakische Nationalgardisten getötet worden. Der Anschlag ereignete sich in einem Industriegebiet, wie ein Überlebender in dem attackierten Fahrzeug am Montag mitteilte. Ebenfalls in Bakuba wurde ein Wohnhaus mit Mörsergranaten angegriffen. Dabei wurden nach Klinikangaben zwei Zivilpersonen getötet und vier weitere verletzt. Der Beschuss des Hauses erfolgte offenbar während neuer Zusammenstöße zwischen US-Soldaten und irakischen Sicherheitskräften einerseits und Aufständischen andererseits.

Neue Entführung?
Ein französisch-amerikanischer Journalist ist laut einem Bericht des arabischen TV-Nachrichtensenders Al Jazeera vom Montag in der südirakischen Stadt Nassiriyah entführt worden. Die französische Botschaft war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Mitarbeiter der US-Botschaft sagte, ihm sei der Fall nicht bekannt. Al Jazeera berichtete, der Entführte sei auf archäologische Berichte spezialisiert. Er sei Franzose, besitze aber einen US-Pass. (apa)

16.8.2004 10:26