Montag, 16. August 2004

US-Außenminister Rumsfeld: US-Soldaten werden Deutschland verlassen!

  • Berlin zeigt Verständnis für US-Truppenabzug
  • US-Armee soll mit kleinen Stützpunkten flexibler werden

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat seinen russischen Kollegen Sergei Iwanow am Sonntagabend über die von Washington geplante Truppenverlegung informiert: Während der weltweiten Umstrukturierung würden die amerikanischen Soldaten in den kommenden Jahren Deutschland verlassen, sagte Rumsfeld bei dem Treffen in St. Petersburg.

Einige Einheiten sollten in die USA zurückkehren, andere jedoch von der früheren Front im Kalten Krieg in die Regionen verlegt werden, in denen der islamistische Terrorismus bekämpft werden müsse. Die USA haben in Deutschland rund 74.000 Soldaten stationiert.

Auf dem Rückflug erklärte Rumsfeld, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen. Zwar gebe es keine Möglichkeit, US-Truppen in Russland zu stationieren. Allerdings verhandle Washington mit einigen Staaten der früheren Sowjetunion.

Berlin zeigt Verständnis
Die US-Regierung habe ihre Pläne zum Truppenabzug aus Deutschland bereits mit der deutschen Seite besprochen. Dies sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beim Rückflug aus Sankt Petersburg, wo er seinen russischen Kollegen Sergej Iwanow getroffen hatte. Die deutsche Regierung habe Verständnis für den geplanten Abzug gezeigt, nicht zuletzt, weil sie selbst eine Umstrukturierung der Bundeswehr vornehme. Die USA würden auch künftig in Deutschland Soldaten stationiert haben, betonte Rumsfeld.

"Es wird eine Verlegung aus Deutschland geben und wir haben darüber und über Zahlen mit Deutschland gesprochen. Sie machen das Gleiche, sie passen ihre Streitkräfte an und sie verstehen das", sagte der Pentagon-Chef zu Journalisten. Zahlen zur betroffenen Truppenstärke nannte Rumsfeld aber nicht.

In Zukunft würden die USA im Ausland ein Netzwerk von nur leicht bemannten Stützpunkten unterhalten, die kleiner seien als jene, die während des Kalten Krieges errichtet wurden. Die dort eingesetzten Soldaten sollten in Abständen ausgetauscht werden. Damit solle die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte erhöht werden, sagte Rumsfeld weiter. Das Vorhaben werde sich über einen Zeitraum von "vier, fünf, sechs Jahren" hinziehen.

Rumsfeld zeigte sich zuversichtlich, dass Russland keine Einwände gegen die US-Pläne erheben werde. Moskau blicke besonders kritisch auf mögliche US-Truppen an seiner nördlichen Grenze zum Baltikum, sagte der US-Minister. Washington plane jedoch eine Reduzierung seiner Einheiten in Nordeuropa. Es gebe keine Pläne für ständige Stützpunkte in den früheren Sowjetrepubliken. Dort sollten jedoch kleinere Lager errichtet werden, die unter anderem als Luftlandeplätze dienen sollten, auf denen US-Flugzeuge auch schnell betankt werden könnten. (apa)

16.8.2004 07:42