Freitag, 20. August 2004

Seminarist zum St. Pöltener Sex-Skandal:
"Es war ein Sumpf, moralisch unterm Hund"

  • Wussten Krenn und Vatikan schon zwei Jahre davon?
  • Priesteranwärter nahm an "Sex-Festen" im Seminar teil

Die Wogen um das Sex-Affäre in St. Pölten schlagen wieder hoch! Ein Seminarist packt aus: "Es war ein richtiger Sumpf" Homosexualität soll hinter den Kirchenmauern offen gelebt worden sein. Und: Bischof Krenn und der Vatikan hätten angeblich schon seit zwei Jahren davon gewusst.

Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen habe auch Bischof Kurt Krenn Bescheid gewusst, berichtet der deutsche Fernsehsender ARD laut Vorabmeldung am Sonntag in der TV-Dokumentation "Das Sex-Tabu. Priesterseminare im Zwielicht." Ein Vertrauter Krenns hatte demnach schon früh vor dem "Priesterseminar als Freudenhaus für Homosexuelle" gewarnt.

Der vom Papst eingesetzte apostolische Visitator, Bischof Klaus Küng, sagte der ARD, er sei auf eine "Mauer des Schweigens" gestoßen. Alle Leitungsfunktionen im Bistum müssten neu besetzt werden. Und ein Seminarist aus St. Pölten sagt in der TV-Dokumentation, "es war ein richtiger Sumpf". Und weiter: "Es ist sehr schmerzhaft, dass der Vatikan sich erst durch die Medien zwingen lässt zu reagieren. Das ist traurig."

"Moralisch unterm Hund"
Der österreichische Priesteramtsanwärter hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren an verschiedenen "Sex-Festen" im Seminar teilgenommen und sagte: "Es wurden homosexuelle Beziehungen geführt zwischen beiden Regenten zu den Seminaristen." Das Ganze sei "moralisch unterm Hund" gewesen.

"Vorwürfe gegen Regens nicht bekannt"
Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, kann mit der ARD-Vorabmeldung "relativ wenig anfangen" und will sich vor einer ausführlichen Kommentierung erst einmal die TV-Dokumentation ansehen.

Leitenberger betonte aber: die Dinge, die nun bei der Visitation durch Bischof Klaus Küng großes Aufsehen erregt hätten, "die Vorwürfe gegen Regens und Vize-Regens - die waren sicher vor zwei Jahren nicht bekannt". Und "die Geschichte mit der Kinderpornographie ist im November des Vorjahres bekannt geworden". Kardinal Christoph Schönborn habe dazu im ORF-Fernsehen bereits deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er in Sachen Kinderpornographie damals sofort den Vatikan verständigt habe, aber leider zuerst keine Reaktion gekommen sei.
(apa/red)

20.8.2004 21:44