Sechs Wochen alte Tochter schwer miss-handelt: Grazer bekommt 4 Jahre Haft
- 29-Jährige fügte Baby zahlreiche Knochenbrüche zu
Zu einer vierjährigen Haftstrafe wurde ein 29 Jahre alter steirischer Immobilienmakler verurteilt, der am Freitag wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und Quälens und Vernachlässigens einer Unmündigen vor dem Grazer Straflandesgericht stand. Dem Mann wurde vorgeworfen, seiner damals sechs Wochen alten Tochter schwerste Verletzungen - zahlreiche Knochenbrüche - zugefügt zu haben. Der Beschuldigte zeigte sich geständig, er hätte es allerdings nicht absichtlich gemacht. Er habe sich "komplett überfordert" gefühlt. Der 29-Jährige erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
"Ich kann es mir nicht erklären, warum ich das getan habe", erklärte der Angeklagte der vorsitzenden Richterin Angelika Hacker mit weinerlicher Stimme, "ich liebe die Kleine doch über alles". Er hätte sehr wenig Schlaf gehabt, als das kleine Mädchen fünf Tage nach der Geburt nach Hause kam, er sei verwirrt gewesen. "Ich hab nicht gewusst, dass ich sie verletzte", so der 29-jährige Grazer. Sie hätte sich nicht beruhigen lassen, deswegen hatte er sie an sich gedrückt, damit sie es warm habe - offenbar zu fest. Bei der Untersuchung im April diesen Jahres im LKH Graz wies das Baby jedenfalls mehrere Rippenbrüche auf.
Auch "Dehnungsübungen" führte der Vater mit seiner Tochter durch. "Das soll gut für die Gelenke sein", versuchte der Beschuldigte sich für die blauen Flecken an den Oberschenkeln zu rechtfertigen, "das habe ich dann viel zu fest gemacht". Als die Richterin wissen wollte, was an jenem Tag Anfang April passiert sei, als das sechs Wochen alte Baby bewusstlos mit einer Schädelfraktur, dreifachem Rippenbruch und Oberschenkelfrakturen ins Krankenhaus eingeliefert worden war, konnte der Angeklagte keine genauen Angaben machen. Die Ärzte im Spital schalteten jedenfalls sofort die Behörden ein.
"Sie hat nicht aufgehört zu weinen. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass mir das Kind weggenommen wird. Ich habe komplett falsch reagiert", versuchte sich der 29-Jährige zu entschuldigen. Als die Richterin wissen wollte, wie er denn reagiert habe, gab der Mann kleinlaut zu, dem Baby mit der flachen Hand auf den Kopf geschlagen zu haben - Fazit: ein Schädeldachbruch. Der Mann wohnte mit seiner Gattin, der Kindesmutter, zusammen, diese wollte von Gewalttätigkeiten nichts bemerkt haben. Das Baby befindet sich jetzt bei der Mutter.
Laut psychiatrischen Gutachten sei der Immobilienmakler zu keiner Zeit unzurechnungsfähig gewesen. Weil das Kind nicht so reagierte, wie er wollte oder sich das vorgestellt hatte, sei es zu den Aggressionsausbrüchen gekommen. "Es fällt dem Angeklagten schwer, sich einzugestehen, dass er seine Tochter beinahe umgebracht hat", so Gutachter Friedrich Rous.
Gerichtsmediziner Peter Roll gab an, dass die Untersuchungen des Babys zahlreiche Verletzungen wie den Bruch des rechten Scheitelbeins, vier Rippenbrüche - wobei er betonte, dass die Rippen bei Kleinkindern extrem elastisch sind - Knochenausrisse an den Oberschenkeln und schwerste Verletzungen des Gehirns ergaben - möglich nur durch "massivste Gewalteinwirkung". Dauerfolgen seien noch nicht abzusehen. Der Staatsanwalt betonte, dass es ein Glück war, dass der 29-Jährige "rechtzeitig gestoppt" wurde.
Der Angeklagte wurde zu vier Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Er erbat sich drei Tage Bedenkzeit. (apa)
