Donnerstag, 19. August 2004

Salzburg: Ungewöhnliche Häufung von Krebserkrankungen in Polizei-Wachzimmer

  • Sieben Fälle in den letzten zehn Jahre, vier Beamte tot
  • Ursache noch unklar, Untersuchungen laufen

Im Polizei-Wachzimmer des Salzburger Hauptbahnhofes gibt es eine ungewöhnliche Häufung von Krebserkrankungen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind sieben Beamte an Krebs erkrankt. Vier Todesfälle sind zu beklagen. Erst "vor zwei Wochen starb ein 40-jähriger Beamter", berichtete der Präsidialchef der Polizeidirektion Salzburg, Heinz Kitzmantel, der APA. Die Landessanitätsdirektion führt derzeit Messungen durch. Ein erstes Untersuchungsergebnis soll Anfang September vorliegen.

"Das jüngste Krebsopfer war erst 27 Jahre alt", zeigte sich Polizeigewerkschafter Günther Nemetz besorgt. Die Beamten sind allerdings an unterschiedlichen Krebsarten gestorben. Sie befanden sich in einem Alter zwischen 40 und 50 Jahre. Schadstoffe wurden bereits gefunden. Ob sie mit den Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht werden können, steht noch nicht fest. "Es ist bisher noch nichts wirklich Relevantes dabei", meinte Kitzmantel.

Das Wachzimmer liegt seit ein paar Jahren am Bahnsteig 1, dort, wo sich rund hundert ÖBB-Beamte aufhalten und sich zahlreiche Büros befinden. In den Jahren zuvor war die Dienststelle neben dem Eingangsbereich der Schalterhalle am Südtirolerplatz angesiedelt. Bei den ÖBB seien keine Häufungen von Krebserkrankungen festgestellt worden, erklärte Pressesprecher Johannes Gfrerer. Die Bundesbahnen halten die Überprüfungen aber für sinnvoll und warten mit Interesse die Ergebnisse ab.

Die Messungen der Umweltmedizin konzentrierten sich bisher vor allem auf elektromagnetische Felder. Angeblich handelt es sich bei den gefundenen Schadstoffen um Handystrahlungen. Untersucht wird aber auch nach Schadstoffen wie Asbest oder Lösungsmitteln in der alten Bausubstanz. Weiters wird ermittelt, ob der Staub, verursacht durch den Abrieb der Gleise, die Gesundheit der Beschäftigten gefährden könnte. Die Vermutung, dass in den alten Trinkwasserrohren giftiges Blei abgelagert ist, dürfte sich nicht bestätigen. "Unser Wasser wird regelmäßig überprüft", betonte Gfrerer.

Die Wahrscheinlichkeit eines unmittelbaren Zusammenhangs mit den verschiedenen Krebserkrankungen hält der Leiter des arbeitsmedizinischen Dienstes, Herbert Rohn, für gering. Da die ÖBB keinen Anstieg von Krebserkrankungen festgestellt hätten, "ist damit zu rechnen, dass die Ursache nicht berufsbedingt ist". Es könnte sich um eine zufällige Häufung handeln, zog Rohn in Erwägung.

Auch psychische Ursachen der Erkrankung werden nicht außer Acht gelassen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass das Wachzimmer am Bahnhof nicht gerade das beliebteste sei und eine hohe Fluktuation an Personal herrsche.

(apa/red)

19.8.2004 09:18