Dienstag, 17. August 2004

Betrunken in Musikkapelle gerast: Eineinhalb Jahre unbedingt!

  • 19-Jähriger Unglückslenker nahm das Urteil an
  • Bereits zuvor hatte er sich schuldig bekannt

Jener junge Steirer, der am Morgen des Ostersonntags in Thörl (Bezirk Bruck/ Mur) alkoholisiert und ungebremst in eine 23-köpfige Blasmusikkapelle gerast war und den Tod von zwei Menschen verschuldet hat, wurde am Mittwoch am Landesgericht Leoben zu eineinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Der 19-Jährige nahm das Urteil an. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der junge Mann gab sich vor Richterin Sabine Anzenberger schuldbewusst und reuig. Über seinen Anwalt entschuldigte er sich bei allen Beteiligten für die furchtbare nicht wieder gut zu machende Tat. Er trinke eigentlich ganz selten, er habe aufgehört, als er mit 18 Jahren als Sanitäter zum Roten Kreuz gegangen sei. An den Unfall selbst und den vorangegangenen Abend könne er sich nicht erinnern - ein Schutzmechanismus, meinten die Psychologen.

Sein Beifahrer konnte sich ebenfalls an so gut wie nichts erinnern. Er habe geschlafen, als das Unglück passierte. Warum er mit dem offensichtlich alkoholisierten Bekannten mitgefahren sei und nicht verhindert habe, dass dieser das Auto in Betrieb nimmt, konnte er nicht beantworten. Andere Freunde hatten im Anschluss an ein Osterfeuer zwar versucht, dem jungen Steirer den Wagenschlüssel abzunehmen, offenbar aber mit zu wenig Nachdruck.

Die Katastrophe passierte zwei Tage vor der geplanten Führerscheinprüfung des 19-jährigen Haustechnikers. Die Anklagebehörde, vertreten durch Gerhard Ressi, warf dem stark kurzsichtigen Mann vor, mit 2,5 bis 2,8 Promille Alkohol im Blut mit 85 km/h durch das Ortsgebiet gerast zu sein, als er die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und in die Gruppe fuhr. Bremslichter seien laut Zeugen keine zu sehen gewesen. Mit den erlaubten 50 km/h hätte er noch vor der Kapelle anhalten können, so ein Sachverständiger. Als die Gendarmerie eintraf, hätte der Angeklagte mehrfach geleugnet, selbst am Lenkrad gesessen zu sein.

Der Trommler der Kapelle erzählte, es habe sich angehört, als würde "ein Auto durch einen Maisacker fahren". Menschen flogen durch die Luft, dann sei es mucksmäuschenstill gewesen. Zwei Mitglieder der Blaskapelle, die gerade beim traditionellen Oster-Weckruf unterwegs waren, starben: Der 41-jährige Vizebürgermeister Franz Rappold war sofort tot, sein 44-jähriger Musikerkollege Wolfgang Bajzek erlag am nächsten Tag im Krankenhaus den schweren Verletzungen. Sechs Musikerkollegen wurden zum Teil schwer verletzt.

Dass die Kapelle auf der Straße eventuell schlecht beleuchtet war, stand vor Gericht zwar zur Diskussion, spielte aber für die Urteilsfindung keine Rolle. (apa)

17.8.2004 22:45