Causa St. Pölten zeigt seine Wirkung: Immer mehr Gläubige treten aus!
- Besorgnis in Salzburg. In Eisenstadt Zunahme der Austritte um fünf Prozent zu erwarten
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Die Turbulenzen in der Diözese St. Pölten dürfte Gläubige in ganz Österreich aufgebracht haben. In der Erzdiözese Salzburg wird ein weiterer Zuwachs bei den Kirchenaustritten befürchtet. In Eisenstadt wird erwartet, dass um fünf Prozent mehr Personen die Kirche verlassen könnten als im Vorjahr, wenn auch ein Zusammenhang mit den Ereignissen in St. Pölten eher zurückgewiesen wird.
In der Erzdiözese Wien liegen noch keine aktuellen Zahlen vor, die Zahl der empörten und enttäuschten Anrufe und Briefe sei zuletzt aber wieder deutlich gesunken.
Die Erzdiözese Salzburg befürchtet, dass auf Grund der Causa St. Pölten die Rekordzahl der Kirchenaustritte vom Vorjahr in diesem Jahr noch überschritten wird. "Im Jahr 2003 zählten wir 3.074 Austritte. Bis zum Juni 2004 traten bereits 1.900 Personen aus, das ist schon mehr als die Hälfte der Vorjahreszahl", zeigte sich Pressesprecher Karl Roithinger auf Anfrage der APA besorgt. "Es treten jetzt mehr aus als in den Jahren zuvor. Wir gehen davon aus, dass es Zusammenhänge gibt. Aktuelle Zahlen liegen uns noch keine vor."
Erzbischof Alois Kothgasser kümmere sich jetzt im Rahmen seiner Möglichkeiten darum, dass es in St. Pölten zu einer Lösung komme, die das Vertrauen der Gläubigen in die Kirche fördere. "Wer jetzt in Salzburg aus der Kirche austritt, straft uns, nicht aber St. Pölten. Wir müssen den Salzburgern klar machen, dass das, was dort passiert ist, mit uns nichts zu tun hat", meinte der Sprecher der Erzdiözese.
Laut Direktor Johann Kempf von der Finanzkammer der Diözese Eisenstadt steht es mit Kirchenaustritten im Burgenland "nicht so schlecht". Es gebe freilich etwas mehr Austritte als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Genaue Zahlen kann er nicht nennen, weil derartige Fälle in den Sommermonaten in den Bezirkshauptmannschaften meist liegen blieben und nicht weiter bearbeitet werden. Genaue Unterlagen erwarte man für September. Wenn der Trend aber anhalte, sei eine Zunahme der Austritte um etwa fünf Prozent zu erwarten.
Zur Causa St. Pölten gab es laut Kempf gelegentlich Anrufe in den Kirchenbeitragsstellen, am Anfang schätzungsweise etwa zehn pro Tag, derzeit jeden zweiten oder dritten Tag einen Anruf. Ob es zwischen den Austritten und der Causa St. Pölten einen Zusammenhang gibt, könne er erst im September sagen, wenn die aktuellen Zahlen vorliegen. Derzeit beantwortet Kempf diese Frage aber mit "eher nein". 2003 wurden in der Diözese Eisenstadt bei insgesamt rund 210.000 Katholiken 619 Austritte registriert.
Auch in der Erzdiözese Wien, zu der neben der Bundeshauptstadt Teile Niederösterreichs gehören, werden erst im September aktuelle Zahlen erwartet. Zu Beginn der Causa habe es zahlreiche Briefe, E-Mails und Anrufe gegeben, in denen Gläubige Empörung und Enttäuschung geäußert haben. Zuletzt sei die Zahl dieser Kontakte auf rund ein Zehntel des Höchststandes zurück gegangen, so Erich Leitenberger, der Sprecher von Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, der auch Vorsitzender der Bischofskonferenz ist.
Bis zum Juni hatte man sich in Wien noch darüber gefreut, dass die Kirchenaustritte weiter leicht zurückgegangen waren. Konkret haben im ersten Halbjahr 2004 in Wien 7.471 Personen den Rücken gekehrt, im ersten Halbjahr 2003 waren es 7.496.
Kärnten
Auch in Kärnten hat es angesichts der Causa St. Pölten massive Rückmeldungen gegeben. "Und zwar in jeder Form", erklärte der Pressesprecher der Diözese Gurk, Matthias Kapeller, auf Anfrage. Diese Reaktionen sei auf verschiedenster Ebene, sowohl an der Basis als auch bei der Diözese selbst, erfolgt.
Positiv seien hingegen die Maßnahmen des päpstlichen Visitator Klaus Küng und die Äußerungen des Kärntner Bischofs Alois Schwarz aufgenommen worden. "Insgesamt ist bei den Kirchenaustritten von Jänner bis Juli dieses Jahres im Vergleich zu 2003 eine Steigerung feststellbar gewesen", sagte Kapeller.
Oberösterreich
In Oberösterreich sind seit dem Bekanntwerden der Vorfälle rund um das Priesterseminar in St. Pölten mehr Menschen aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Genaue Zahlen gebe es zwar vorerst nicht, die Zahl der Austritte habe aber im vergangenen Monat zugenommen, erklärte Erich Litterak, Leiter des Kirchenbeitragsreferates in der Finanzkammer der Diözese Linz.
"Ganz so gut schaut es nicht aus", sagte Litterak. Er hoffe aber, dass sich das Gesamtjahr besser entwickle: "Wir kämpfen um jeden, der sich an uns wendet."
Auch enttäuschte Anrufe, Briefe und E-Mails sind beim Kirchenbeitragsreferat eingegangen. Es seien aber nicht mehr gewesen als vor der Causa St. Pölten, betonte Litterak: "Es ist ganz natürlich, dass es auch in der Kirche menschelt." (apa)
