Mittwoch, 11. August 2004

Stopt das Rächtschreib-Kaos

  • Auch die Österreicher wollen zurück zur alten Rechtschreibung

Umstrittene Rechtschreibreform: Was ein Ende der neuen Schreibweise in Deutschland für Österreich bedeuten würde.
Schwere Sprache: Wer auf Reformkurs bleiben will. Und wen die Reform-Reform treffen würde.

Als Leiter der „Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission“ sollte der Wiener Schulinspektor Karl Blüml seiner Sache sicher sein. Von NEWS zum Test bitten lassen wollte er sich freilich nicht. „Ich mache ja Fehler“, bekennt er. Hand aufs Herz, wie schreibt man das Geldbörsel frankophil? „Wie ich es immer geschrieben habe: Portemonnaie (die neuen Regeln erlauben „Portmonee“, Anm.). Ich würde auch nie auf die Idee kommen, Spaghetti ohne h zu schreiben.“

Hier trifft sich Blüml mit den Wortführern der deutschen Rechtschreibdebatte, den Printmedien „Spiegel“ und „Bild“, Bayerns CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber, seinem niedersächsischen Kollegen Christian Wulff (CDU) oder FDP-Chef Guido Westerwelle. Freilich kommen die Herrschaften zu unterschiedlichem Schluss. Während Blüml an der endgültigen Inkraftsetzung des Reformwerkes mit 1. August 2005 – nach siebenjähriger Umstellung – festhält, fordert die andere Seite ein Zurück zu den alten Schreibregeln. Zumindest in Deutschland – was für Österreich nicht ohne Folgen bleiben würde.

Österreicher wollen Reformstopp. In einer aktuellen NEWS-Gallup-Umfrage (Sample: 400) wird erstmals das Meinungsklima in Österreich untersucht.

  • 62 Prozent der Befragten wollen zur alten Rechtschreibung zurückkehren.
  • Bei den über 50-Jährigen wollen das sogar 78 Prozent.
  • Einzig in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen überwiegen Reformbefürworter. 50 Prozent wollen die neuen Regeln beibehalten, 46 Prozent sie abschaffen.
  • In dieser Altersgruppe benützen 56 Prozent der Befragten wenigstens Elemente der neuen Rechtschreibung. 17 Prozent haben sich komplett umgestellt.
  • Bei den über 50-Jährigen schreiben nur sechs Prozent neu, 15 Prozent eine Mischform.

    Gespaltene Politik. Fragt man die politischen Entscheidungsträger, so geht die Front quer durch alle Parteien. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel verkündete lapidar, Österreich werde bei der Neuregelung bleiben. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer spricht von einem „Jahrhundertwerk“. Auch VP-Klubobmann Wilhelm Molterer sagt: „Die Entscheidung ist gefallen. Der Zeitplan, die Reform nächstes Jahr fix umzusetzen, muss eingehalten werden. Man sollte endlich auf die Schüler Rücksicht nehmen. Die haben die neuen Regeln gelernt.“

    Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
    PLUS: Was Politiker, Schulexperten und Autoren von den ab August 2005 geltenden Regeln halten.

    11.8.2004 15:01