Mittwoch, 11. August 2004

Athen 2004: So schön wird Olympia

  • Wie Jukic, Rogan & Co den Weltrekordlern in Athen Paroli bieten

Rekordspiele: Noch nie haben so viele Athleten in so vielen Disziplinen um Medaillen gekämpft. Es geht um 301-mal Gold.
Starkes Team: Erstmals seit fast hundert Jahren dürfen Österreichs SchwimmStars auf olympisches Edelmetall hoffen.
Goldrausch: Noch nie war der Favoritenkreis in den meisten Disziplinen so groß.

Eine Million Dollar bar auf die Hand hatte ihm sein Ausrüster „Speedo“ versprochen, wenn US-Superschwimmer Michael Phelps in Athen den Uraltrekord von Schwimmlegende Mark Spitz übertrifft (sieben Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1972 in München). Doch die Teamkollegen machten dem 19-jährigen Ami bereits vor dem ersten Sprung ins Wasser einen Strich durch die Rechnung. Sie weigern sich hartnäckig, den exzentrischen Allrounder (Weltrekorde in drei Lagen) in der 4x-100-Meter-Staffel mitkraulen zu lassen, weil er sich bei den US-Trials knapp nicht dafür qualifizieren konnte. Phelps’ letzte Hoffnung: Einer der Staffel-Fixstarter, die Gold nur abholen müssen, verletzt sich vorher oder erkrankt. Dann könnte ihm der Griff in den „Gold-Jackpot“ doch noch gelingen.

Heimkehr nach Athen. Von den hochtrabenden Idealen der letzten Sommerspiele in Athen ist jedenfalls nichts übrig geblieben. 1896 hatte der französische Baron Pierre de Coubertin die Antike sportlich wiederbelebt und die Jugend der Welt zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit nach Griechenland eingeladen. Ganze 295 Athleten waren dem Ruf gefolgt, geplant waren neun Sportarten, wovon drei abgesagt werden mussten: Reiten aus Kostengründen, Segeln wegen fehlender Beteiligung und Rudern wegen zu stürmischer See.

301 Goldmedaillen. 108 Jahre später kämpfen bei den „Spielen der 28. Olympiade“ (= der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen) über 10.500 Sportler aus 202 Nationen um das begehrte Edelmetall bei 301 Entscheidungen in 28 Sportarten. Von den Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen bis zu Trendsportarten wie Beachvolleyball, Taekwondo oder Mountainbike. Apropos Medaillen: 1896 bekamen die Olympiasieger neben einem Lorbeerkranz noch Silber umgehängt, der Zweite erhielt Bronze, der Dritte ging überhaupt leer aus. Gold roch den Gründungsvätern der modernen Olympischen Spiele zu sehr nach Mammon.
Die Goldmedaillen von heute übertreffen den reinen Materialwert um ein Vielfaches. Beispiele: Gastgeber Griechenland zahlt jedem seiner Olympiasieger 190.000 Euro. Sogar einem Land wie Kasachstan wäre Gold eines Athleten glatte 100.000 Dollar wert. Genauso viel wie Mexiko. Daneben nehmen sich die 40.000 Euro, die das Russische Olympische Comité für einen Olympiasieg ausgelobt hat, fast mickrig aus. Von den 25.000 Dollar der Amerikaner oder den 15.000 Euro der Deutschen gar nicht zu reden.

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11.8.2004 14:44