Sonntag, 15. August 2004

Erste Schritte zu Arbeitszeit-Flexibilisierung: Leitl trifft sich mit ÖGB-Chef

  • WKÖ-Chef: Jahresmodell würde Firmen & Beschäftigten helfen

Wirtschaftskammer-Präsident wird im September in einem ersten Gespräch mit ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch zum Thema Arbeitszeit einen Vorstoß für eine Flexibilisierung mit dem Ziel einer Jahres-Durchrechnung unternehmen.

Dies kündigte Leitl im APA-Interview an. Mit flexiblen Modellen könnten Unternehmen leichter Auftrags- und Saisonspitzen ausgleichen, und auch die Dienstnehmer würden profitieren, so Leitl.

Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit wünscht sich Leitl nicht, nur eine Ausweitung des täglichen Rahmens auf 10 bzw. 12 Stunden. Demnach würde die wöchentliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden weiter beibehalten, die Normalarbeitszeit aber von 8 auf 10 Stunden angehoben werden. Die tägliche Höchstarbeitszeit soll auf 12 Stunden steigen. Gehen Zeiten innerhalb des Durchrechnungszeitraumes von 52 Wochen über 40 Stunden hinaus, wäre dies als Überstunden abzugelten.

Saisonbetriebe etwa im Tourismus oder der Bauwirtschaft könnten dann Ganzjahres-Arbeitsverhältnisse abschließen. Den Dienstnehmern brächte dies den Vorteil, dass sie das ganze Jahr über Abfertigungs- und Pensionsansprüche erwerben könnten. Der leichtere Ausgleich von Saison- und Auftragsspitzen in den Firmen würde die Arbeitslosigkeit senken, ist Leitl überzeugt. Das so eingesparte Arbeitslosengeld könnte in aktive Arbeitsmarktpolitik investiert werden.

Die leidige Debatte über die Abschaffung von Sonn- und Feiertagen oder eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit wäre damit vom Tisch, hofft der WKÖ-Chef. Ob in einer Branche 38 1/2 oder 40 Stunden in der Woche gearbeitet werde, sei Angelegenheit der zuständigen Gremien in den KV-Verhandlungen, etwa der kommenden Herbstlohnrunde.(apa)

15.8.2004 09:43