Freitag, 13. August 2004

Premiere vs. ORF: Jetzt will Privatsender auch die Rechte am Wintersport

  • Premiere Chef im FORMAT-Interview: "Werden den Skivertrag des ORF anfechten!"

Österreichs Fußball wirkt: Die Privaten verzeichnen steigende Quoten. Nun will Premiere-Chef Georg Kofler mehr: Die TV-Rechte am Wintersport. Mehr als 30.000 Abos hat der Pay-TV-Sender in Österreich seit dem Bundesligastart zusätzlich verkauft. Wenig überraschend, dass Kofler durch den Erfolg auf dem grünen Rasen Lust auf mehr österreichischen Sport hat. Neben einem verstärkten Engagement im Eishockey plant Kofler einen Angriff auf Österreichs Nationalsport Nummer eins - das Skifahren.

Georg Kofler sagte im FORMAT-Gespräch: "Wir haben allergrößtes Interesse am Wintersport. Skifahren ist für einen Pay-TV-Kanal eine äußerst spannende Sache" Die Planungen dafür sind bei Premiere offenbar bereits sehr weit gediehen. Im Kern möchte Kofler die Rechte an allen alpinen Rennen im Weltcupzirkus erwerben.

Anders als beim Fußball soll es aber dann keine Wintersport-Abos geben, sondern die Zuschauer können im Pay-per-View-Verfahren jedes Rennen kaufen, das sie sehen wollen.

Kofler: "Technisch haben wir dabei viel mehr Möglichkeiten als der ORF. Wie in der Formel 1 können wir dann auf mehreren Kanälen unterschiedliche Kameraperspektiven senden. Das erhöht die Spannung für die Zuschauer ungemein." Die Rennen von Maier, Eberharter und Co sollten laut Kofler zwar weiterhin im Free-TV zu sehen sein, allerdings zeitversetzt.

Der Skizirkus als Formel 1 des Winters. Bis es so weit ist, wird es freilich noch dauern. Noch hat Kofler keine Verhandlungen mit dem ÖSV, der die Rechte an den Rennen in Österreich besitzt, aufgenommen.

Der ÖSV wiederum hat, anders als die Fußball-Bundesliga, im Sommer auch keinen Handlungsbedarf. Schließlich wurden die Übertragungsrechte an den Skirennen erst vor zwei Jahren an den ORF verkauft - und zwar gleich bis ins Jahr 2011. Genau daran stößt sich Kofler aber. "Es ist ein Wahnsinn, dass sich in Österreich ein Quasimonopolist die Rechte an einem Sportereignis für einen so langen Zeitraum sichern kann. Das ist ganz klare Wettbewerbsverzerrung."

Der streitbare Premiere-Chef hat deswegen bereits seine Anwälte eingeschaltet und will in nächster Zeit vor die EU-Kommission ziehen, um gegen den Skideal des ORF zu prozessieren. Kofler: "Ich glaube nicht, dass dieser Vorgang von ORF und ÖSV rechtmäßig war." Und für den Fall, dass seine Klagen wegen Wettbewerbsverzerrung tatsächlich Erfolg haben, glaubt Kofler, in den Verhandlungen mit dem ÖSV das bessere Argument auf seiner Seite zu haben: Geld.

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13.8.2004 11:26